Nur 3.300 Flaschen – mehr gibt es von dieser weißen Rarität nicht. Der Wein stammt komplett aus der Einzellage Carramainas im kargen Hochland von Calatayud. Auf dem Weg zu diesem Weinberg fühlt man sich, als würde man über die Oberfläche des Mars fahren. Irre! 85-jährige Macabeo-Reben, im gemischten Satz mit einem Hauch Garnacha Blanca (5%). Auf ganzen 800 Metern Höhe wurzeln diese alten Stöcke tief in kargen Kalk- und Schieferböden. Die Nase zeigt sich zunächst verhalten, aber total elegant, mit weißen Blüten, Kamille, Fenchel, zarter Kräuterfrische von Dill, dazu heller Kalkstaub und eine Spur Kreide. Dann öffnen sich gelbe Früchte, Kaki, leicht kandierte Zitrusschale, ein Hauch Kokos vom fein dosierten Ausbau in den gebrauchten Tonneau von François Frères. Niemals laut, eher vielschichtig, subtil, geradezu delikat. Am Gaumen dann der volle Schub aus vibrierender Frische, eine packende, steinige Mineralik, die wie ein salziger, karger Wind durchzieht. Cremige Fülle durch das lange Hefelager, doch zugleich enormer Zug. Kraftvoll und doch filigran. Leicht reduktiv, das Burgund von Roulot lässt grüßen. Grapefruit-Zesten, Zitronenmelisse, Salzmandel, zarte Honignoten, dazu dieser kernige Grip, der dem Wein eine faszinierende Struktur gibt. Die salzige Ader läuft bis in den langen Nachhall hinein, der nochmal mit feinem Hefeschmelz ausklingt. Das ist vielleicht kein auf Anhieb gefälliger Weißwein, sondern ein Charakterkopf: expressiv, konzentriert, mit Tiefe und Ernsthaftigkeit, dabei getragen von einer erstaunlichen Frische. Salzig, straff, mit großer mineralischer Energie. Ein rarer, charakterstarker Weißwein aus Aragon, der zeigt, wie kompromisslos terroirgetrieben Macabeo (Aragons Name für die Viura) sein kann.