Lobenberg: Ein grauer Devonschiefer und extrem hohe Quarzitgehalte. Quartz ist eines der härtesten Gesteinsarten und wurde von der Mosel kaum abgetragen. Dadurch ist der Boden einer der steinigsten überhaupt. Zudem ist es der zweitsteilste Weinberg an der Mosel nach dem Bremmer Calmont. Familie Loewen übernahm den Weinberg 1998 und machte 10 Jahre lang nur restsüße Weine aus dieser Lage, weil sie Angst vor der extremen Säure dieses Weinbergs hatten. Ritsch hat immer so immensen Säurezug und schlanken Druck, dass es für einen trockenen Wein fast zu heftig ist. Nach 10 Jahren ohne Dünger und mit sehr vorsichtigem biologischem Weinbau, erreichten die Trauben dann aber ein Level, dass sie bei später Lese doch so gebändigte Säurestrukturen erreichen, um einen großen trockenen und auch noch fein trinkbaren Wein zu erzeugen. Man will ja nicht von der Mineralität überwältigt werden, was beim Ritsch leicht der Fall sein kann. Die Lage ermöglicht eben eine extrem späte, ausgedehnte Lese und erhält sich immer diese pikante Säurespur, dass es nie überreif schmecken kann. Das ist schon einzigartig und eine riesen Chance einen so filigranen und dennoch intensiv mineralischen, einschneidenden Wein zu keltern. Auf dem Papier ist der Jahrgang 2024 sehr ähnlich zu 2021, hohe Extrakte, hohe Säuren, kleine Erntemenge. Geschmacklich ist es durch die höheren pH-Werte aber viel harmonischer und deutlich weniger grün als in 2021. Die Säuren sind total seidig und reif, die Texturen fast cremig, sehr dicht, dazu aber die kräuterig-steinige Aromatik eines kühlen Jahres. Wirklich ein faszinierender Jahrgang, wie eine moderne Version von 2008 mit mehr Eleganz. Der 2024er ist straff und salzig, sehr puristisch. Der Wein ist in seiner Kühle wirklich brillant, wirkt kristallklar und stahlig. Ein würzige Steinwein, der den Schiefer ungebremst auf die Zunge bringt. Das ist schon ein unglaublich fokussierter, puristischer und großer Terroirwein der Mosel – und das in jedem Jahrgang in den letzten Jahren, das ist ein Statement! 97-98/100