Der Untergrund des Brunnenhäuschens ist Terrarossa. Reiner Kalkfelsuntergrund, über dem dann roter, durch Eisen gefärbter Ton liegt. Südexposition. Uralte Reben. Ein Teil des Brunnenhäuschens wird auch Abtserde genannt, den ja nur Klaus-Peter Keller bewirtschaftet. Eine eher kühle Lage in der Nähe des Morsteins mit 220 Meter Höhe und guter Belüftung. Das ergibt extrem filigrane Weine. Gleichzeitig hat er eine wärmere, cremigere Stilistik als im Kirchspiel durch den eisenhaltigen Boden, zugleich hat es immer diese abgespacete Eleganz, dieses leicht Abgehobene. Das Brunnenhäuschen hat immer einen gewissen Zauber. Die Frucht ist warm-würzig und hochintensiv, wir bewegen uns von Yuzu über Grapefruit bis Orange, Eukalyptus schiebt sich oben drüber und gibt ihm wie gewohnt eine schwebende Kräuter-Ätherik. Dann kommt Zitronenmelisse, weißer Pfeffer, Ingwerschärfe. Hochfeiner Mund, eine Gelassenheit wie 2012 oder 2022, aber mehr Pikanz, fast wie 2017, aber eben auch 2022, zumindest bei Wittmann. Er ist nicht säurebeladen, sondern hat eine sehr fein austarierte Textur, einen seidig-geschmeidigen Trinkfluss. Die Vibration ist wirklich die berauschende Signatur dieses Jahrgangs, dazu die pikante, herbsaftige Grapefruitfrische mit dunkler, pfeffriger Mineralik. Wenn der Morstein nicht wieder so überirdisch wäre in 2023, würde dieses Weltklasse-Brunnenhäuschen noch viel mehr herausstechen. Man kann darüber streiten, ob der superbe, karg-feine 2022er oder der saftigere, dichtere 2023er die Nase vorne hat, etwas hedonistischer und trinkfreudiger ist der 2023er bestimmt. Ich liebe beide, aber wenn ich mich entscheiden müsste, würde ich 2023 mit auf die Insel nehmen.