Genau wie bei seinen Rieslingen, verfolgt Daniel Wagner auch beim Pinot Noir einen sehr reduktiven, spannungsgeladenen Stil. Der Siefersheimer Ortswein kommt aus einer hochgelegenen Parzelle am Horn, auf sehr kargem Porphyr, die Reben struggeln hier richtig. Das ist schon ziemlich abgefahren und braucht initial auf jeden Fall viel Belüftung in dieser rauchigen Würze. Der 2024er Siefersheimer wurde komplett entrappt. Das Ganze wird dann im Edelstahlfermenter mit zartem Überschwallen zwei Mal am Tag spontan vergoren. Dann Umzug in die Barriques zur fertigen Vergärung und zum Ausbau. Die 2024er sind farblich wirklich schick, tiefer im Rot als 2023. Sehr aromatisch, zugleich mit hoher Spannung. Die vulkanischen Böden geben dem Pinot eine elektrisierende innere Spannung. Sehr niedrige Erträge aus kleinen Träubchen, kompakt und konzentriert. Würzige Sauerkirschfrucht, Cassis, Feuerstein, schwarzer Pfeffer. Ich liebe die 2024er rheinhessischen Spätbugunder, meist gefallen sie mir sogar besser als 2023. Diese kühle, saftige, hochfeine Frucht. Brillante Säurespur, die sich mit intensiver Salzigkeit vermischt. Animierende Vibration, spannungsreicher als die 2023er auf jeden Fall. Unglaublich feine, geschliffene Tannine unter der rassigen Kirschfrucht. Das ist der Idealtyp eines kühlen, deutschen Spätburgunders. Sehr schick.