Lobenberg: Handlese aus Schiefer-Steillagen in kleine Boxen. Keine zu lange Maischegärung von etwas über zwei Wochen, dann Ausbau in zwei- bis vierjährigen Barriques für zehn Monate. Der Blauschiefer ist der Ortswein aus Dernau. Dernau ist etwas kühler, weil es etwas weiter im engeren Tal liegt. Erst hinten bei Bad-Neuenahr geht das Tal dann auf und es wird exponierter. Der Wein kommt aus terrassierten Steillagen. Das ist grade in einem heißen Jahr wie 2022 natürlich ein großer Vorteil. Es gibt hier nur noch rund 20 Prozent Neuholz, eben weil es so unglaublich filigran ist. Näkels fahren das Holz in diesem Wein immer mehr zurück. Entsprechend spannungsgeladen und energetisch ist der Duft, dunkler Feuerstein trifft auf saftige, dunkle Kirsche, Grapefruit, Pfefferminze und Menthol. Ein kleiner Touch Graubünden ist beim Blauschiefer immer dabei für mich, obwohl es dort natürlich mehr Kalkstein gibt. Aber diese pfefferige Schärfe haben die Graubündner auch, Dernau hat aber sicher mehr Mineralspannung und Frische. Wahnsinnig kühler, straffer Mund für 2022, ich bin verblüfft. Mentholig-strammer Antritt, hoch mineralisch, die zarteste Versuchung. Wirklich wahnsinnig fein. Es ist mir ein Rätsel wie Meyer-Näkel diese perfekte Fruchtreife mit dieser kühlen mineralischen Strahlkraft verbunden hat. Ein hochfeiner Ausdruck von 2022, mit eleganter, moselanischer Verspieltheit par excellence. Die Tannine sind ultrafein. Was soll man dazu noch mehr sagen als dass es ein Ahr-Ortswein nahe der Perfektion ist, wenn man denn diese hochfeine Steillagen-Stilistik schätzt. 94+/100