Leognan: Le Blanc by Chateau Leognan (Graves) 2024

Le Blanc by Chateau Leognan (Graves) 2024

Zum Winzer

Semillon 60%, Sauvignon Blanc 30%, Muscadelle 10%
weiß, trocken
12,5% Vol.
Trinkreife: 2026–2035
mineralisch
fruchtbetont
voll & rund
Lobenberg: 95+/100
Frankreich, Bordeaux, Pessac Leognan
Allergene: Sulfite,
lobenberg

Heiner Lobenberg über:
Le Blanc by Chateau Leognan (Graves) 2024

95+
/100

Lobenberg: Der Weißwein von Château Léognan besteht aus 60 Prozent Semillon, 30 Prozent Sauvignon Blanc und zehn Prozent Muscadelle. Nur in gebrauchten, zweijährigen Barriques ausgebaut für drei Monate inklusive Bâtonnage. Dann weitere drei Monate im Stahltank. Der Wein hat nur 12,5 Volumenprozent Alkohol. Obwohl er für nur drei Monate im gebrauchten Barrique lag, kommt das zusammen mit der Bâtonnage zu einem erstaunlichen Ergebnis. Die Nase strahlt Dichte und Generosität aus. Satte gelbe und weiße Birne, etwas Aprikose darunter, Marille, Mirabellen und etwas Quitte. Feines Holz und weißer Pfeffer. So viel Charme von dieser leichten Holzspur, die aber wirklich nur als Unterlage dient! Im Mund dominiert klar die Semillon. Eine völlig unterschätzte Rebsorte im trockenen Bereich. Cremig mit Steinfrucht, helle Aprikose, gelbe Melone, Salz und Kreide. Tolle Struktur! Viel Volumen, Fleisch, Länge und Dichte. Das ist schon richtig guter Stoff und es kann mit einigen anderen Pessac-Léognan durchaus mithalten. Irgendwo zwischen Clos Floridene und Fieuzal Blanc eingebettet. Aber er ist durch den hohen Semillon-Anteil im Charakter voluminöser und reicher. Toller Essensbegleiter! *** Die Weinberge für diesen Weißwein liegen direkt außerhalb von Pessac-Léognan in der Appellation Graves.

Jahrgangsbericht

2024 brachte ganz entgegen dem Klimawandel enorme Wassermengen im Frühjahr und auch im Herbst, keinerlei Trockenstress wie in den langen Jahren davor. Wegen extremen Mehltaubefalls, hoher Verrieselung in der Kühle der Blüte (Coulure und Millerandage) und wegen ungewöhnlich hoher und strenger Selektion mit grüner Lese im August nach der Verfärbung (in den 80iger und 90iger Jahren wäre 2024 noch ein Desaster geworden) gegen Verdünnung, Fäulnis und Botrytis zeigt 2024 einen ungewöhnlich niedrigen Ertrag, gesunde und fast reife Trauben mit oft minus 30%, manchmal gar 50% der Mengen des Standards. Und der hohe Mehltaubefall und die Coulure (Mehltau verringert die Mengen durch vertrocknete Trauben, die Qualität der nicht befallenen Trauben wird nicht beeinträchtigt) betrifft i.d.R. mehr die anfälligere Merlot, der Cabernet-Anteil (am linken Ufer Cabernet Sauvignon und am rechten Ufer Cabernet Franc) ist dramatisch höher als im Durchschnitt. Die Weine haben generell niedrige pH-Werte, also hohe Säure, dazu niedrige Alkoholwerte von 12 bis 13%. Die satten Tannine sind extrem fein und poliert und seidig unaggressiv und im Gerbstoff mehr als moderat, was zu einem charmant samtig seidigem Trinkfluss führt. Zusammen mit einer hohen saftigen Frucht-Aromatik und erstaunlich intensiver Farbe sind diese leichteren, aromatisch frischen Weine sofort präsent und mit total charmanter Trinkigkeit gesegnet. Da sie wegen der strengen Selektion letztlich reif genug gelesen wurden, ist 2024 ein freudenstiftender, verspielt leichter und leckerer, aromatischer Jahrgang für frühen Genuss. Allerdings gibt es von Château zu Château deutliche, ja oft dramatische Unterschiede, da muss man jeden Wein sorgfältig verkosten. Gegenüber dem ebenfalls sehr aromenstarken, noch farbintensiverem Jahrgang 2023 fehlt es 2024 zwar keineswegs an Trinkfreude und Trinkfluss, ganz im Gegenteil, aber in der absoluten Dichte bringt der opulentere, erotisch reifere Jahrgang 2023 einen höheren Wucht-und Umarmungs-Faktor mit. 2023 ist ein großes, früh trinkbares, erotisch opulentes Aromen- und Genusswunder, verblüffend in der charmanten Ausdrucksstärke, in seiner wollüstigen Ausprägung somit ein Unikat und »best ever«. 2024 zeigt dagegen deutlich verspieltere und frischere, sehr schicke und filigran elegante Weine für freudvolles, sexy Easy-Drinking. Everybodys Darling, das holt jeden Anfänger aufs Schönste ab! Volnay und Loire als schicker Bordeaux, so verträumt und fein und filigran leicht. 2024 ist weit weniger klassisch als das im Tannin rauere 2021, dafür aber dramatisch schicker und sexy polierter und filigran finessenreicher. 2024 könnte seinen Platz im Markt eher früh trinkfertig und relativ preiswert finden, das ist nicht in erster Linie ein »en Primeur« Jahrgang zum langen Einkellern, weder bei den Einstiegsweinen noch im oberen Preissegment. Aber es gibt zum Teil dramatisch reduzierte Mengen bei zum Teil dramatisch reduzierten Preisen. Und wenn dann der Wein noch sehr gut ist, muss man ihn eben doch subskribieren, sonst kann man leer ausgehen. Wer allerdings nur auf lange Einlagerung und Sammlerweine spekuliert kommt um den besten Jahrgang aller Zeiten, 2022, nicht herum. Ein gegenüber dem schon günstigen 2023 nochmal klar, ja dramatisch reduzierter Preis der 2024er Hochgewächse kann neben teilweise doch tollen Qualitäten doch zu Recht zum Primeur-Kauf verlocken. So passt 2024, nach so vielen ab 2016 bis 2023 überragenden voluminösen und kraftvollen Jahrgängen, als seidiges und trinkfreudiges Wunderwerk perfekt in das aktuelle Marktumfeld. Als preiswert schicker und elegant filigraner, aromatischer Gegenpol. „Just have fun“! Last not least: Wie schon so oft scheint auch der kühle und feuchte 2024er Jahrgang ein fast genialer Weißweinjahrgang zu sein, trocken wie auch süß! Die Analogie zu 2021 drängt sich auf, Winzer sprechen von extrem klar gezeichneten und definierten Weinen.

Mein Winzer

Leognan

Diese im Jahre 1989 gepflanzten sechs Hektar stehen direkt neben der Domaine de Chevalier, denn sie waren bisher Bestandteil des Erstweins und somit in der Bearbeitung der Domaine de Chevalier. 10.000 Stöcke pro Hektar. Unter 500 Gramm Ertrage je Pflanze, state of the art. Die Familie Bernard von...

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