Gekeltert aus minimalen Erträgen von 10 Mini- Trauben Bunches für ein knappes Kilo Trauben ist The Judge allein qua verfügbarer Menge der rarste unter den kalifornischen Chardonnays. Er wächst auf extrem kargen, fast staubigen vulkanischen Böden ohne jegliche Humusauflage oder Stickstoff im Boden. Die Nase ist in jugendlichem Stadium noch vom Ausbau und der jüngst vorausgegangenen Füllung gezeichnet. Es zeigen sich zarte Röstnoten, getoastetes Kastenweißbrot nebst Rinde und dezenter Holzwürze. Vom Kernobst nur die Schalen und Kerne, der Duft einer Backstube am frühen Morgen sowie eine leichte Kopfnote nach Feuerstein, dazu mischen sich Orangenschalen mit hellem Tabak und Aprikosenkernen. Wir probieren, stellen den Wein aber auf die Seite und verkosten erst alle Rotweine, bis wir zum The Judge zurückkehren. Es waren 45 Minuten, die sein Wesen komplett veränderten. In der Nase purer Montrachet, ich meine Batard-Montrachet, John Kongsgaard schweigt lächelnd und probiert. Eine spektakuläre Verwandlung. Im Antrunk viskos mit immenser Spannung. Ein Wein, der sich in jungem Stadium fast der Beschreibung entzieht. Mit enormem Druck ist er gaumenfüllend, vibrierend von großer innerer Dichte. Ein Wein, der derzeit nur Skizzen von sich preisgibt, doch trotzdem meint man, er würde fast platzen vor Spannung. Hier geht es nicht um die Aneinanderreihung von Aromen, denn The Judge ist ein strukturelles, großes Weinerlebnis. Ein Monolith und zweifelsfrei einer der größten Chardonnays nicht nur Kaliforniens, sondern weltweit.
Nach drei trockenen Jahrgängen (2020, 2021 und 2022) startete das Jahr 2023 in Kalifornien für die Reben endlich wieder mit ausreichend viel Niederschlag während der Wintermonate, durch den die Wasserreserven der Weinberge größtenteils wieder aufgefüllt werden konnten. Die Temperaturen blieben im Frühjahr lange kühl, was den Austrieb der Reben extrem verzögerte. Zudem beeinträchtigten diese kühlen Frühlingstemperaturen den Fruchtansatz, was je nach Weinberg auf natürliche Art und Weise zu einer niedrigen Erntemenge und somit zu einer größeren Konzentration führte. Durch die Wachstumsperiode hinweg fielen 2023 in guten Abständen Niederschläge, und es gab keinerlei Trockenstress. Der Sommer verlief im Gegensatz zum heißen Vorjahr 2022 mild und die Trauben konnten langsam und gleichmäßig ausreifen. Zugleich konnten sie eine optimale Balance aus Tanninreife, Frucht und Säure erreichen. Im Herbst wurden die angenehmen Tagestemperaturen durch kühle Nächte ausgeglichen – dies bot nahezu perfekte Bedingungen für die Ausbildung eines komplexen Aromenspektrums. Die Weinlese verlief relativ entspannt und konnte ohne Zeitdruck bei idealer Reife durchgeführt werden. Bereits bei der Gärung legten viele Weine eine beeindruckende Intensität an den Tag, wie man sie nur ganz selten erleben kann. 2023 gilt nach 2021 und 2019 wieder als herausragender, großer Jahrgang.