Aus dem Zeppwingert gibt es in 2023 nur die Reserve, weil der Ertrag so verschwindend gering war. Es gab nur 11 hl/ha, also ein Hyperkonzentrat. Kurze Maischestandzeiten von ein paar Stunden, dann ziemlich cloudy von der Presse direkt in die Fässer und 100 Prozent spontan vergoren. Ausbau in Barriques und 500 Liter Fässern, bis August des Folgejahres bleiben die Weine auf der vollen Hefe liegen. Erst zur Abfüllung bekommen die Weine das erste Mal Schwefelzusatz, solange können sie sich frei entfalten. Der Zeppwingert umrandet den Batterieberg komplett. Über 100 Jahre alte, wurzelechte Reben. Dieses Gesamtpaket aus intensiver, steinig unterlegter Frucht, kargem Bodenausdruck und langem Holzausbau mit leichten Oxidationseinflüssen ist schon sehr speziell und ausgefallen. Ein eigenwilliger, charakterstarker, aber großer Wein von uralten Reben. Der 2023er ist enorm verdichtet, die Frucht wahnsinnig kanalisiert, ein gelbfruchtiger Gebirgsbach, der über Kieselsteine fließt. Er zeigt nur sehr subtile Anklänge von Frucht und bewegt sich eher im Mineralspektrum. Rauchiger Feuerstein, Graphit, grüner Tee und Sesampaste. Das ist Mosel-Riesling von enormem Format, sicher nicht everybody’s Darling mit seinen hochkonzentrierten Bitterstoffen und der gewaltigen Phenolstruktur. Nein, das fordert – und erfordert einen sehr versierten Genießer. Denn hier bei Immich gibt es nichts von der Stange, sondern Gestein und Boden in schmeckbarer Form. Großes Kino, aber nichts für Einsteiger.