Im Nonnenberg stehen die ältesten Reben des Weingutes, die nur noch wenig Ertrag bringen, aber Theresa bringt es nicht übers Herz sie zu roden. Sie sind in den 1950er Jahren gepflanzt. Es ist auch klar die kühlste Lage in Breuers Portfolio. 1993 war der erste Jahrgang für den Nonnenberg von Theresas Vater Georg. Die Lage ist etwas abseits des Kerngebietes um Rüdesheim. Theresa sagt es ist immer eine Reise dorthin, obwohl es natürlich nicht weit ist, aber die Weinreben umgeben sie eben nicht, wie die der Lagen in Rüdesheim. Allein deshalb ist es ein besonderer Ort für sie. Vergärung und Ausbau im großen alten Holzfass, immer unberührt auf der Vollhefe bis zur Füllung. Sehr simpel, ein minimalistischer Ansatz. Der Nonnenberg ist zwar eine Monopollage an einem Stück, dennoch wird er nicht an einem Tag gelesen, sondern sehr gestaffelt. Für 2022 ist das ein verblüffend kühler, balancierter Fruchtausdruck. Insgesamt sehr dezent, typisch Breuer, nur wenig Frucht. Der Stein dominiert, aber anders als in der Lorcher Pfaffenwies, die feingliedrig-kristalliner ist, haben wir hier schon mehr Tiefe, richtig Substanz und viel mineralische Strahlkraft, irgendwo zwischen Feuerstein und Kreide. Warme Zitrusfrucht, Orangenblüte, schlanke Nektarine, Pfefferminze. Der Mund ist wahnsinnig rassig, hat einen ungeahnten Säurezug, straff gebaut, sehr steinig im Nachhall. Geniale Saftigkeit, die ich in dem warmen Jahrgang so nicht vermutet hätte. Aber umso schöner, der Trinkfluss ist fantastisch! Die Pfefferminzfrische dreht im Nachhall nochmal eine Ehrenrunde, kühl und voller Spannung. Ein Riesling, der die Seele des Rheingaus so schön ausdrückt, wie kaum ein anderer. Rauenthal hat es richtig gut getroffen in 2022, das war beim Ortswein auch schon so!