Lobenberg: Die beste Lage in Brauneberg und eine der besten Lagen an der Mosel überhaupt. Der leichteste Schieferboden und zugleich eine warme Exposition. Normalerweise ist die Juffer-Sonnenuhr immer etwas feiner statt kraftvoller. Ausbau Großteils im traditionellen Holzfass, ein paar Partien haben ein paar Stunden Maischestandzeit bekommen. Das hat Oliver in diesem Jahr etwas verstärkter eingesetzt, um die Säuren etwas abzurunden. Es ist schon erstaunlich, dass die Qualität der Lage sich im Grunde bei Fritz Haag nicht durch Lautstärke und krachende Kraft auszeichnet, sondern durch mehr Finesse. Man spürt den Umschwung auf die Sonnenuhr vom Juffer GG kommend ganz klar. Es wird noch feiner, subtiler, aber zugleich tiefer und saftiger. Obwohl der Brauneberg so karg und extrem felsig ist, hatten die uralten Reben im Kernstück aus dem das GG kommt keinen allzu großen Stress mit dem Jahrgang. Ein ganzes Kaleidoskop von ultrafeinen Zitrusnuancen, aber nichts Grünes oder Stechendes. Viel Zitronengras, Grüntee, helle pfeffrige Noten. Wie es der dieses Jahr herausragend gute Brauneberger J schon hat antizipieren lassen, hat die Juffer-Sonnenuhr einen unglaublichen Schub und Schmelz. Diese hedonistische, dichte, gelbe Frucht, die den ganzen Mundraum belegt, noch von etwas Orangenschale, Mandarine und Grapefruit flankiert wird. Die schlotzige gelbe Frucht ist fast ein bisschen an die Pfalz angelehnt, diese Assoziation hatte ich bei Heymann-Löwenstein auch schon. Darunter liegt dann diese hohe Spannung und der Oszillograph der Mosel, denn die Spannkraft und der Zug sind eigentlich sehr nah an 2020 oder 2021 dran, obwohl das Jahr so anders war. Die Juffer-Sonnenuhr ist der längste trockene Wein bei Oliver Haag im Keller dieses Jahr, der Wein läuft und läuft in seinem animierenden Stoffigkeit, die mit so viel schiefriger Vibration unterlegt ist. 96-98+/100