78 Prozent Merlot und 22 Prozent Cabernet Franc. 35 Hektoliter pro Hektar Ertrag. Es gibt maximal 10.000 Flaschen von diesem Winzlingsweingut, in der Regel aber nur 7.000 bis 8.000, so auch 2022. Der Alkoholgehalt liegt bei 14,5 Volumenprozent. Die Nase des 2022er geht einfach nochmal einen Step über die der genialen Jahrgänge 2019 und 2020 hinaus. Unglaublich dicht, reich und super weich. Satte Schwarzkirsche und Lakritze, aber nichts Drückendes, Aggressives, sondern super fein. Blaubeeren dazu mit hoher Intensität, auch schwarze Erde und eine satte Veilchennote. Das Ganze bleibt aber unglaublich spielerisch. Reich, dicht, fast dick und dabei total verspielt. So eine Art Château L’Évangile aus Saint-Émilion in der Nase. Faszinierend! Für einen so bezahlbaren Wein ein so unglaublicher Schliff. Die Schwarzkirsche setzt sich immer mehr durch, aber es bliebt spielerisch trotz der Reichhaltigkeit. Dann kommt der Mund: Wir erleben keinen Wechsel, aber eine Präzisierung. Die Schwarzkirsche wird unterlegt von roter Johannisbeere, von Sauerkirsche, sie bekommt rote Flügel und einen roten Teppich darunter. Superfeine, geschliffene, polierte Tannine. Tänzelnd das Ganze, mit salziger Länge. Der Wein verbleibt erstaunlich lange auf der Zunge. Die Zungenspitze, die Ränder – alles wird belegt. Clos Hédoné tritt 2022 ohne Zweifel in eine neue Dimension ein. Trotzdem ist es jetzt kein Riese. Das ist nicht gleichauf mit den entfernteren Nachbarn La Voute oder Tertre de la Mouleyre. Aber es ist durchaus in einem extrem gehobenen Bereich von Saint-Émilion angesiedelt. Vor allem, weil es so eine hervorragende pikante Balance aufweist, mit roter und schwarzer Frucht, mit Säure und Frische, mit dieser spielerischen Eleganz. Jungs wie Christophe und Arnaud sind sicherlich ein Teil der biologisch arbeitenden Zukunft in Saint-Émilion. *** Clos Hédoné ist ein 1,5 Hektar Winzling, der dem Kellermeister von Guillot Clauzel, Arnaud Lagardère, und dessen Freund Christophe gehört. Die durchschnittlich 25 Jahre alten Reben werden in reiner Handarbeit nach dem Feierabend von ihm gepflegt werden. 6.000 Stöcke pro Hektar. Biologische Bearbeitung, komplette Begrünung. Die Reben sind 10 bis 15 Jahre alt. 2019 wurden diese anderthalb Hektar das erste Mal aus der Kooperative herausgelöst und separat vinifiziert. Insgesamt gibt es nur 5.000 Flaschen. Der Ausbau geschieht in Barriques aus dem Burgund, die Hälfte davon ist neu. Abgefüllt wird der Wein in eine der ursprünglichen Bordeauxflaschen, die es aber ab dem 20. Jahrhundert nicht mehr gab wegen Verpackungsproblemen – sie ist etwas gedrungener, etwas knubbeliger.