Der 2022er wird dominiert von Himbeere und Erdbeere. Sehr feines, geschliffenes Tannin, poliert! Feine Veilchen und Flieder darunter, aber nicht zu fett, sondern durchaus auf der feinen Finesse-Seite bleibend. Spielerisch und schon in der Nase ein Leckerli für den gastronomischen Offenausschank! Eine Freude in der Nase – nichts Großes zum Niederknien, sondern einfach nur offenherzig und hochsympathisch. Der Mund hat Tannin, aber es ist so seidig und samtig, dass nichts wehtut. Es ist spürbar, es kommt mit Salz, durchaus mit Grip und auch einem Touch Chili auf die Zunge. Aber das Ganze löst sich in süßer roter Frucht auf – Himbeere, Erdbeere, rote Kirsche. Dahinter blumige Noten und feines Salz. Ein kleiner Wein mit durchaus etwas Anspruch. Cabernet Sauvignon und Merlot halten sich die Waage, auch im Mund. Ein echt leckeres Tröpfchen! Nicht groß, aber sehr schick und sehr geschmackvoll. Sicherlich ein perfekter Wein für den Offenausschank in der Gastronomie. Everybody’s Darling und trotzdem ein gewisser Anspruch. 92/100 *** Diesen preiswerten Côtes de Bourg verfolge ich seit über 15 Jahren. Das kleine Château direkt mit Blick auf die Gironde gehört meinem holländischen Freund Theodor Mostermans, ich habe dort schon häufig gewohnt. Erstmal mit dem Jahrgang 2018 haben sich seine großen Investitionen im Weinberg so ausgezahlt, dass ich an diesem Wein nicht mehr vorbeikam. Was früher mal gemüsig, unreif und grün war, ist jetzt alles geschliffen und poliert. Die Reben haben das Alter erreicht und die klimatischen Veränderungen haben dafür gesorgt, dass es hier deutlich aufwärts geht. Auch ist das Engagement des Önologen Stéphane Derenoncourt ein weiterer Beleg wie auch Ursache für die enorm gestiegene Qualität. Selbst Größen wie James Suckling haben diesen Wein mittlerweile mit guten Bewertungen entdeckt.