Reinsortige, autochtone Dona Blanca aus Carracedola in Bierzo. Die Rebsorte hat diverse Namen, Siria wird sie auch genannt, eine Kreuzung von Cayetana Blanca und einer Unbekannten. In Portugal ist sie seit 1531 unter dem Namen Alvaro de Sousa bekannt. Vermutlich liegt der genaue Ursprung der Sorte im Umfeld der Stadt Pinhel im Nordosten Portugals. 70 Jahre alte Reben auf Kalkstein mit etwas Lehmauflage, Buschwein, minimale Erträge. Es gibt als Ergebnis nur 1 Barrique. Handlese, langsame Ganztraubenpressung mit den Füßen (foodtrodding) im offenen Holzfass. Spontane, langsame Vergärung. Malo im gleichen Fass und Ausbau auf der Hefe für 15 Monate. Ungefilterte Abfüllung. Granit-Kalkstein-Nase, Salbei, Flieder, Jasmin. Helle Lakritze, weiße Schokolade, Quitte, mürbe Birne und Litschi. Was für eine aromatische Sensation, sehr eigenständig. Chili, weißer Pfeffer, weiße Birne, Kumquat. Bitterorange mit aromatischer Reineclaude und Aprikose als hocharomatischer Mundeintritt, dazu wieder diese famose Krautwürze aus der Nase und eine geniale salzige Schärfe, die aber von sahniger Quitte und chilischarfer-Birne nebst Ingwer und Kimschie in einer Balance der anderen Art gefangen wird. Der scharfe, extrem ausdrucksstarke Extremist, der zugleich ein sahniger Charmeur ist, steht für Minuten. Ein feines Bitterschwänzchen vom phenolischen Tannin hinterlassend, gebettet in Sahne, an Marsanne und weißen Hermitage erinnernd. Der Oszillograph zwischen Schärfe, Süße, Charme und Bitterstoff spielt verrückt im Mund. Und trotzdem ist der Grundansatz Balance und Harmonie. Dieser Wein gehört zu den ganz großen Weißweinen in meinem Portfolio, in Spaniens Top-10 allemal, und er steht weltweit unter den Unikaten aus autochtonen Rebsorten sicher mit in der ersten Reihe. Freakstoff aber nicht anstrengend, aber er braucht erfahrene Gaumen um vollends entdeckt zu werden. Bravo Gregory! 99-100/100