Der Erdener Prälat ist schon für sich genommen eine Legende und ein mythisch überhöhter Ort. Hier haben wir 120 bis 130 Jahre alte wurzelechte Einzelpfahlstöcke, nur wenige tausend Quadratmeter groß. Jeder Winzer schätzt sich glücklich in dieser winzigen Lage etwas sein Eigen zu nennen. Die Extremversion als Amphitheater des benachbarten Erdener Treppchens. Also die Eleganz Erdens mit diesem dunklen Schiefer in Kombination mit diesem Brennglas von Exposition mit diesen uralten wurzelechten Reben. Das ist schon ziemlich einmalig in dieser Form an der Mosel. Eine der rarsten und teuersten Lagen der Mosel und Deutschlands überhaupt. Genau wie in den Vorjahren ist der Prälat 2023 keine Auslese, obwohl 2023 nicht angereichert ist. Aber es soll jetzt einfach so bleiben, um nicht zu viel Verwirrung zu stiften. Das muss ein Kultwein werden wie Clos St Hune, denn er steht dem in nichts nach, ist noch viel feiner obendrein. Auch teurer, das muss man auch sagen. Ein üppiges Elixier, das von der Dichte her schon an die Weltklasse-Süßweine aus dieser Lage erinnert, die Extraksüße ist gewaltig. Dagegen steht aber diese fast brachiale Mineralität, rauchig, opulent, Rosenblätter und Grapefruit, Kiwi in Grün und Gelb. Alle warmen Zitrusfrüchte rollen nochmal durch, die leichte Extrakt- und Restsüße stützen das Volumen noch weiter. Eine wunderbar samtige, reiche Textur, die den Gaumen umschmeichelt und die einschneidende Mineralität der Lage schön abpuffert. Natürlich ist das ein Riesling für Freaks, alleine schon durch den Preis, aber am Ende bringt er auch ein Format ins Glas, das an der Mosel nahezu niemand sonst schafft. Diese Power ist unique. So brutal dicht und wuchtig, dass man aus der Kurve getragen wird – und dennoch ist es ganz klar als Mosel zu erkennen. Schon famos. 100/100