Lobenberg: Die Vorselektion aus den Top-Lagen des Hauses, also eigentlich ein klassischer Zweitwein der Grands Crus. Aber Zweitwein wird diesem Stoff kaum gerecht, denn auch er stammt aus rund 80 Prozent wurzelechten, alten Reben. Spontanvergoren und knapp ein Jahr im Holz, gemischte Fassgrößen, alte Barriques und Fuderfässer, aber kein neues Holz, es geht nur um die Mikrooxidation und nicht um die Holzaromatik. Feine hellgelbe Frucht mit kräuterig-grünem Twist. Viel, viel Zitronengras, in Salz und Zucker gewendete Limette, süße marokkanische Minze, schlanker Pfirsich. Eine mehr als köstliche Nase mit viel Rieslingtypizität, Anis und etwas grünem Pfeffer. Der Mund ist saftig und dicht, mit vitaler Säure und intensivem Salz im Nachhall. Straff und dennoch keineswegs karg, tolle Textur. Der ganze Mundraum wird eingenommen, hohe Intensität in gelber Frucht, aber kein fett, es bleibt rassig und von feiner Schieferwürze getragen. Vibrierender, mundwässernder Abgang mit viel Zug und genug Druck, um auch als Speisebegleiter zu brillieren Die leicht herbe Zitrusschalen-Aromatik verbindet sich mit der feinen Phenolik zu einer aufregenden Textur im Mund, die den Speichel fließen lässt. 2021 setzt in Sachen Säure und Pikanz nochmal eine Schippe auf den ruhigeren 2020er drauf. Ein sehr schicker, eleganter und zugleich hochintensiver Moselriesling. 94+/100