Durch die Frostnächte Ende April, die eigentlich nur auf -2 Grad runter gegangen sind, allerdings hing viel Nebel in den Weinbergen, die das Ganze sehr verstärken. Im Grunde waren nahezu alle Weinberge zu über 90 Prozent betroffen, sowohl der Scharzhofberg als auch die Braune Kupp, was sehr selten passiert. Die Trauben sind aus dem zweiten Austrieb, was das Ganze dann also sehr weit nach hinten geschoben hat mit der Vegetationsperiode. Es gibt nur 7000 Liter Ertrag im gesamten Betrieb. Die Lese ging vom 14. Oktober bis Ende des Monats, also eine späte Lese, die viel Extrakt mitgebracht hat. Die 2024er wurden Anfang März abgefüllt. Der 2024er ist die erste Beerenauslese vom Scharzhofberg seit 2015, das ist also ein brutal seltener Wein. Wie der Eiswein »leidet« die BA unter dem Klimawandel, was sie immer seltener macht. Die aromatische Wucht dieser Beerenauslese ist beeindruckend, natürlich zu 100 Prozent botrytisierte Trauben. Der Restzucker liegt für eine BA bei Egon Müller eher im unteren Bereich, daher haben wir einen ausgesprochen beschwingten, energetischen und strammen Antritt für diese Klasse. Egon Müller ist extrem risikobereit, er hat mit dieser Selektion bis Ende Oktober gewartet, aber eine TBA war dann nicht mehr drin. Das ist also die Spitze des Portfolios in 2024, rien ne va plus. Der Wein zeigt Bitterorange, diesen grünlichen Waldmeister-Touch, den viele Saar-Rieslinge dieses Jahr haben, darunter auch Safran und Curry, ein bisschen Brennnesseltee, Weinbergspfirsich. Ich glaube diese Süßweine aus 2024 werden fantastisch reifen und irgendwann einen so köstlichen, kühlen Kräuterkick bekommen wie 2012, 2004, 1996 und Co. Die brachiale Säurestruktur des Jahrgangs ist sicher nicht jedermanns Sache, aber er hält diese BA unentwegt auf Trab. Das ist großes, ultraseltenes Kino für Freak-Sammler. Wahrscheinlich wird mir der Wein nie wieder in meinem Leben begegnen, aber ihn einmal probiert zu haben, ist schon grandios.