Durch die Frostnächte Ende April, die eigentlich nur auf -2 Grad runter gegangen sind, allerdings hing viel Nebel in den Weinbergen, die das Ganze sehr verstärken. Im Grunde waren nahezu alle Weinberge zu über 90 Prozent betroffen, sowohl der Scharzhofberg als auch die Braune Kupp, was sehr selten passiert. Die Trauben sind aus dem zweiten Austrieb, was das Ganze dann also sehr weit nach hinten geschoben hat mit der Vegetationsperiode. Es gibt nur 7000 Liter Ertrag im gesamten Betrieb. Die Lese ging vom 14. Oktober bis Ende des Monats, also eine späte Lese, die viel Extrakt mitgebracht hat. Die 2024er wurden Anfang März abgefüllt. Es gibt seit Langem mal wieder eine BA bei Egon Müller, sowohl aus der Braunen Kupp als auch aus dem Scharzhofberg. In 2023 konnte nur eine TBA geerntet werden, die wird in 2025 versteigert. Aber eine BA, so etwas Feines, das gab es seit 2015 nicht mehr, davor war es 2005. Also alle Jubeljahre mal, wirklich ultrararer Stoff. Beerenauslesen werden immer schwerer zu erreichen, weil die Jahre entweder zu schwach sind und gar nicht rankommen oder es eben dann zur TBA hochgeht, weil die Herbste viel wärmer sind. Wie der Eiswein »leidet« die BA unter dem Klimawandel, was sie immer seltener macht. Ein irre konzentrierter Wein, dabei ist er fast saftig durch die gigantische Säurestruktur des Jahres 2024. Bei all seiner Urgewalt trinkt sich diese BA erstaunlich schön, man will das wirklich runterschlucken. Eigentlich ist es bei Egon Müller in der BA immer etwas üppiger, mit wahnsinniger Botrytis-Power, aber in diesem 2024er ist es verblüffend trinkfreudig. Eingekochte Quitte, Bitterorange, Wermutkraut, süßsaure schwarze Johannisbeere, die virile, pikant-exotische Säure einer Passionsfrucht. Ein ganz eigener Typ, unvergleichlich sowieso, weil es dafür viel zu wenige BAs aus dieser Lage gibt, um wirklich von einem Typus zu sprechen. Unique in seiner straffen und zugleich konzentrierten Art ist 2024 allemal.