Clos Hédoné ist ein 1,5 Hektar Winzling, der dem Kellermeister von Guillot Clauzel, Arnaud Lagardère, und dessen Freund Christophe gehört. Die 15 - 20 Jahre alten Reben werden in reiner Handarbeit nach Feierabend von ihnen gepflegt. Biologische Bearbeitung, komplette Begrünung. 2019 wurden diese anderthalb Hektar das erste Mal aus der Kooperative herausgelöst und separat vinifiziert. Insgesamt gibt es nur 5.000 Flaschen. Der Ausbau geschieht in Barriques aus dem Burgund, die Hälfte davon ist neu. Abgefüllt wird der Wein in eine der ursprünglichen Bordeauxflaschen, die es aber ab dem 20. Jahrhundert nicht mehr gab wegen Verpackungsproblemen – sie ist etwas gedrungener, etwas knubbeliger. Duftige, reiche Flieder-Lavendel-Veilchennase. Viel schwarze Frucht. Satte Schwarzkirsche, etwas Cassis darunter, aber auch Schlehe und Sauerkirsche. Hohe Intensität, aber nicht fett. Das ist so fein, so poliert! Ich weiß gar nicht, an was mich dieses Weingut erinnert mit dieser schwarzen geflämmten Frucht, mit dieser Rauchigkeit. Am Ende erinnert das sehr an Valandraud, das ist ja auch der übernächste Nachbar. Der Wein steht für Minuten und bleibt trotz dieser aromatischen Dichte herrlich schlank. Was man ihm vorwerfen kann, ist zugleich seine ganz große Stärke: im Vergleich zu ganz großen Nachbarn wie Troplong Mondot oder Valandraud vernachlässigt er ein bisschen die fleischig-süße Mitte zugunsten der hohen Eleganz. Da ist er näher am Biodynamiker Tertre de la Mouleyre. Mit dieser Saftigkeit und Trinkfreude tut das aber eben keinen Abbruch, wenn denn diese atemberaubende Finesse die Zielsetzung ist, meine in jedem Fall! Dabei ist 2020 sogar noch etwas feiner und dem Finesse-Ideal näher, dafür hat 2019 einfach mehr pikante Power.