Der Boden des Falkenlay ist tiefgründiger als bei den Nachbarn Rothenpfad und Fahrlay. Wurzelechte Reben an Einzelpfählen. Verwitterungsgestein bei einer reinen Südexposition. Durch die Tiefgründigkeit des Bodens neigt der Wein immer zu mehr Kraft und Opulenz, dennoch wird er auch in 2022 nicht über 12.5 Prozent Alkohol hinausgehen. Eine sehr schöne, total reife und zugleich elegante Nase mit feiner gelber Frucht, Pfirsich, Litschi und Mangoschale. Die Bitternoten sind so komplex und animierend wie bei den feinsten Schwarztees dieser Welt. Grünes Zigarrendeckblatt und schwarze Beeren. Im Mund bringt die höhere Reife dann den Turbolader der Feinheit, schiebt wahnsinnig an aus seiner Reichhaltigkeit. Wer sich von diesem grandiosen Stoff nicht mitreißen lässt, bei all der Pikanz, all der Stoffigkeit und der leckeren Steinobstopulenz, der muss dann wohl zu sehr an der Puristik von 2021 kleben geblieben sein. Auch das kann ich gut verstehen, denn die schlanke Mineralik war schon famos, aber 2022 ist so dicht und köstlich, dass es die reinste Freude ist, aber eben ziemlich konträr zum Vorjahr. Diese geschmeidige Frucht passt grandios auf diesen herben Schiefergeschmack, den die Lage immer transportiert. 96-97+/100