75 Prozent Merlot, 18 Prozent Cabernet Franc und sieben Prozent Cabernet Sauvignon. Der Alkoholgehalt liegt bei 13,8 Volumenprozent. Wunderschöne Röst-Nase, hochintensive Cabernet Franc. Deutlich neuer Holzanteil, aber das passt sehr gut. Sämig mit Feige, dazu rote Paprika, erotisch-dicht, aber mit erstaunlich viel Schub drauf in 2022. Viel Power aus Cassis und Brombeere. Fast ein maskuliner Touch. Einer der Saint-Émilions mit wirklich Struktur – typisch für Clos Dubreuil. Im Mund eine Power aus der Cabernet Franc, aber auch die Merlot kommt mit sehr schöner Struktur daher. Tolle Länge mit Lakritze und Veilchen! Schöne Salznote vom reinen Kalkstein, auf dem er steht. Verblüffende Länge! Das ist ein wirklicher Power-Saint-Émilion. Traumhafter Nachhall, auch hier wieder diese wunderschöne geröstete Struktur. Deutlich Holz, aber auch tolle Schlehe, Sauerkirsche kommt dazu hoch. Das ist ein wirklicher Top-Saint-Émilion in 2022 und einer der strukturiertesten Weine hier auf diesem Kalksteinfelsen, was eine grandiose positive Ausnahme in diesem manchmal zu balancierten Harmonie-Jahr darstellt. Grandiose Spannung! Ich bin ziemlich fasziniert… Neben Troplong Mondot, Beausejour Duffau und Tertre de La Mouleyre, und sogar vor den berühmten direkten Nachbarm Valandraud und Croix de Labrie der strukturierteste und spannendste Saint Emilion des Kalkstein-Hochplateaus der Stadt. Einer der besten Saint Emilions des Jahrgangs, großer Stoff. Und durch den Besitzerwechsel und die andere Marktstrategie der amerikanischen Besitzer auf einmal extremst preiswert. Das war meines Erachtens gerade bei dem Wechsel auf den 'best ever' vintage und bei nur gut zehntausend Flaschen Gesamtmenge das Gegenteil meiner Erwartung, aber das wollen wir alle gern freudig mitnehmen. Einen qualitativen 100 Euro Wein zum halben Preis. Genial! *** Clos Dubreuil war das zweite absolut angesagte Weingut der Familie Trocard in Saint-Émilion und des anerkannt genialen Weinmachers und Winzers Benoit Trocard. 2022 war sein letzter und womöglich bester Jahrgang vor dem aus finanziellen Gründen erfolgtem Verkauf an einen amerikanischen Investor Anfang 2023. 2022 ist somit sein großes Vermächtnis! Der Wein steht auf dem Kalksteinplateau zwischen Fombrauge und Tour Saint Christophe, direkt oben auf der Kuppe, am Rande Saint-Émilions gelegen, kurz vor Castillon. Benoit Trocard wohnte dort bis März 2023 persönlich. Somit hatte er täglich Kontakt zu den Reben. Nur sieben Hektar. Kalkstein mit etwas Lehm darüber, dies ergibt immer wuchtige und zugleich feine Weine. Alte Reben, 6.600 bis 10000 Stöcke pro Hektar. 75 Prozent Merlot und 25 Prozent Cabernet Franc. Inzwischen liegt der Anteil von Neuholz bei Clos Dubreuil nur noch bei 50 Prozent. Der Rest wird im gebrauchten Holz ausgebaut. Das bekommt ihm extrem gut. Seit 2020 gar kein Presswein mehr, sondern nur noch Free Run Juice. Der Wein wird komplett entrappt, die Beeren werden vor der Fermentation aber nicht angequetscht. Keine Schwefelung. Spontanvergärung. Die Gärung beginnt innerhalb der Beeren, was die Frucht bewahrt. Zusammen mit dem geringeren Neuholz-Anteil und dem Free Run Juice führt das dazu, dass sich die Stilistik bei Clos Dubreuil massiv verändert hat. Hin zur Balance, hin zur frischen Frucht. Jetzt ist es im Grunde ein Saint-Émilion der Finesse, auch wenn er immer noch verdammt viel Power mitbringt.