Was für ein absolut genialer Meilenstein von epischer Vollendung! Der spektakuläre Jahrhundert-Jahrgang 2018 berauscht mit den seidig-samtigsten Gerbstoffen meiner drei Probier-Jahrzehnte. Trotz Rekordhitze und des höchsten Tanninlevels seit Menschengedenken glänzen die Weine mit einer unbändigen, präzisen Eleganz und Finesse. Pures Legenden-Potenzial!

2018 eilt ein fast beispielloser Hype voraus. Journalisten und Kritiker weltweit überschlagen sich mit Superlativen und sprechen von ganz großen, historischen Weinen. Aber stimmt das auch? Entspricht die finale Qualität in der Flasche wirklich diesem spektakulären Supersommer, den wir alle persönlich miterleben durften? Um den Jahrgang 2022 zu verstehen, muss man an den Anfang zurückgehen, denn das Jahr startete extrem nass, feucht und ungemütlich. Bis weit in den Juni hinein regnete es ununterbrochen – nur unterbrochen von einer wie durch ein Wunder reibungslos verlaufenden, perfekten Blüte.

Diese massiven Wassermengen im Frühjahr waren im Nachhinein ein absoluter Segen, da sie die tiefe Grundlage dafür bildeten, dass die Reben den nachfolgenden, extrem heißen und vor allem trockenen Sommer überhaupt unbeschadet überstehen konnten. Doch die lang anhaltende Feuchtigkeit im Frühjahr hatte zunächst das Potenzial für ein echtes Desaster: Viele Domaines erlitten dramatische Verluste durch Mehltau. Dieser aggressive Pilzdruck ließ Blätter und Gescheine reißen, was zu einer drastischen Ertragsreduzierung führte. Doch im Weinbau gilt oft: Weniger ist mehr. Die verbliebenen, perfekt sortierten Trauben profitierten massiv von dieser natürlichen Ausdünnung. Als das Wetter im Juli schließlich auf eine langanhaltende Trockenheit und immense Wärme umschwenkte, begann die Geburtsstunde eines Mythos. Vom Sommer bis weit in den goldenen Oktober hinein herrschten paradiesische Bedingungen.

Heiner zu Besuch bei Clos Louis
Heiner zu Besuch bei Clos Louis

Das Ergebnis im Keller ist schlichtweg verblüffend und sprengt alle bekannten Dimensionen. Wir verzeichnen 2018 den wohl höchsten Tanninlevel seit Menschengedenken. Doch das Paradoxe und absolut Faszinierende daran ist die Qualität dieser Struktur: Es sind die seidigsten, samtigsten und feinsten Gerbstoffe, die mir in meinen drei Probier-Jahrzehnten im Bordeaux unter die Zunge gekommen sind! Trotz einer spürbar niedrigeren Säure als in anderen klassischen Jahren besitzen die Weine eine Frische und eine laserartige Präzision, die zusammen mit dem legendären Jahrgang 2016 die größte Eleganz und Finesse seit Anbeginn unserer Verkostungsreisen darstellt.

Für mich ist 2018 über alles gesehen ein absolut genialer Bordeaux-Jahrgang, der in puncto Feinheit und mineralischer Definition sogar Ikonen wie 2005, 2010 und 2016 um winzige Nuancen schlägt. Und das Beste: Die Anzahl überragender Weine ist nochmals massiv gestiegen. Es gibt in diesem Jahrgang unzählige, vermeintlich „namenlose“ Châteaux und kleinere Appellationen, die Weine auf ein Niveau katapultiert haben, das jeden Weinfreund vor Staunen erblassen lässt. Es gibt historische Meilensteine wie Mouton 1945, Cheval Blanc 1947, Lafite 1959 oder Latour 1961, die als unsterbliche Legenden in die Weingeschichte eingegangen sind. Nach meiner tiefen Überzeugung gibt es im Jahrgang 2018 mindestens 30 oder mehr Weine, die exakt diese magische Vollendung erreichen werden.

Kurzum: Wir sind uns im Hier und Jetzt wahrscheinlich noch gar nicht im Klaren darüber, welch monumentale Kunstwerke die Natur und die Winzer in diesem Jahr erschaffen haben. 2018 ist ein unendlicher Genuss, der die Kraft eines Jahrhundertsommers mit der seidenen Eleganz der Moderne vermählt. Ein Jahrgang für die Ewigkeit!

Alle Bordeaux Weine des Jahrgangs 2018

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