Wir sind in 2023 bei einem im Grunde sehr »klassischen« Jahr, das gar nicht so unähnlich zu etwa 2007 ist, weil es viel Spannung und Trinkfluss mit hoher Reife verbindet. Es war schon ein warmes Jahr, aber eben nicht ganz so heiß wie 2022 oder 2019, dadurch sind die Weine geschmeidiger und etwas trinkiger geraten. Das gefällt mir persönlich sehr gut. Zudem ist die Tanninqualität ein Traum. Der Blend basiert immer auf rund 90 Prozent Grenache und einem kleinen Rest von Mourvedre, Syrah und Cinsault, die in diesem Plot als Mischpflanzung dazwischenstehen. Die Grenache ist bis zu 100 Jahre alt. Rund 20 Prozent wurden als Ganztraube vergoren in 2023, der Rest wird entrappt. Vergärung und Ausbau komplett in speziellen zylindrischen Zementtanks. Der Wein hat nie Holz gesehen. Bemerkenswert ist, dass beide Usseglios ihre Topweine ausschließlich im Beton ausbauen, um die reine Frucht zu bewahren. Durch die alte Grenache hat der Wein immer diese unglaubliche Intensität. Der 2023 hat ein atemberaubendes Parfüm, sooo reich und fruchtstark. Die Frucht überschlägt sich in der Nase mit Brombeercoulis, Mispel, wilder Heidelbeere, blühendem Thymian, auch Garrigues und etwas Holzkohle, aber die typischen Würznoten des Südens werden von der schieren Dichte der Frucht überstrahlt in diesem Wein. Die Cuvée Imperiale ist immer ein uniquer Wein, sticht jedes Jahr aus der Verkostung hervor mit dieser puren, ultraintensiven Frucht aus den alten Grenache-Stöcken. Die 100 jährigen Reben helfen sicher, aber das ist auch eine Kunst, sie so fein sprechen zu lassen. Dichte, schmelzige Kirsche mit etwas Walderdbeere und einem kleinen Touch Himbeermark im Nachhall und immer wieder diese herbe graphitige und eisenhaltige Mineralität, die dem Wein sehr viel Charakter gibt.