Die Ried Schwemmer gehört zu den kühlsten und kalkigsten Interpretationen innerhalb der kleinen Moric-Riedenserie, die Roland Velich seit 2019 zusätzlich zu den Alten Reben erzeugt. Spontan vergoren im offenen Holzbottich mit kleinem Rappenanteil, anschließend rund zwei Jahre Ausbau in gebrauchten 500-Liter-Fässern. Die nach Osten ausgerichtete Lage ist geprägt von tiefgründigem kalkhaltigem Lehm über massivem Kalkstein. Die ältesten Reben stammen aus den 1930er Jahren, die jüngeren aus den 70ern. Genau diese Kombination aus Kalk, Tiefe und etwas kühlerer Exposition sorgt für diesen völlig eigenen Stil. Schwemmer wirkt immer etwas straffer, vertikaler und kühler als Maissner. Weniger dunkel-wild, dafür präziser, vibrierender und fast gotisch in seiner Struktur. Und 2023 bringt genau diese Eigenschaften extrem klar heraus. Schon die Nase besitzt enorme Spannung. Dunkle Kirsche, zerdrückte Heidelbeere und schwarze Johannisbeere, dazu sofort diese kalkige Frische und florale Kühle. Veilchen, etwas Lavendel und weißer Pfeffer schweben über der Frucht. Dahinter kommen kandierte Mandarinenschale, Blutorange und feine Cranberrynoten hinzu. Trotz der dunklen Frucht wirkt der Wein nie schwer, sondern fast schwebend. Mit Luft wird die mineralische Seite immer deutlicher. Kalter Stein, Kreide, etwas Rauch, Graphit und feuchte Erde, dazu ein Hauch Leder und schwarzer Tee. Alles wirkt unglaublich fein verwoben und gleichzeitig hochenergetisch. Am Gaumen dann diese typische Schwemmer-Signatur: engmaschig, straff und unglaublich präzise. Der Wein besitzt festen Grip und viel Struktur, aber nichts wirkt hart oder massiv. Die Tannine sind fein und kreidig, die Säure zieht wie ein Laserstrahl durch die dunkle, seidige Frucht. Immer wieder kommen Sauerkirsche, rote Johannisbeere, Cranberry und Blutorange hoch, begleitet von salziger Mineralität und feiner Kräuterwürze. Trotz aller Konzentration bleibt der Wein tänzelnd und fast schwerelos. Genau diese Mischung aus Druck und Frische macht ihn so faszinierend. Der Nachhall ist lang, kühl und vibrierend. Dunkle Frucht, Kalkstein, Salz und florale Frische bleiben minutenlang stehen. Das ist Blaufränkisch mit enormer Präzision und Haltung. Nicht die wilde Wucht der Maissner, sondern eher aristokratische Spannung und kalkige Finesse. Ein großer, tiefgründiger Wein mit riesigem Entwicklungspotenzial.