Die Ried Maissner war bei Moric schon immer die dunkelste und kompromissloseste Interpretation von Lutzmannsburg. Während andere Rieden mehr über Eleganz oder florale Finesse kommen, wirkt Maissner oft wie der rohe Kern der Herkunft – eisenhaltig, würzig, fast animalisch. Und genau deshalb ist 2023 hier so spektakulär. Denn dieser Jahrgang bringt zusätzlich eine Präzision und Feinheit hinein, die den Wein auf ein völlig neues Niveau hebt. Wahrscheinlich tatsächlich der größte Maissner bislang. Die Reben stammen teilweise noch aus 1908, die jüngeren Anlagen aus den 1930ern. Südexponiert, tief verwurzelt in eisenhaltigem Ton mit kalkigem Untergrund. Vergoren wird spontan im offenen Holzbottich mit kleinem Rappenanteil, anschließend rund zwei Jahre Ausbau in gebrauchten 500-Liter-Fässern. Schon die Nase zieht einen komplett hinein. Nicht primär über Frucht, sondern über diese unfassbar faszinierende, blutig-mineralische Tiefe. Eisen, kalter Rauch, Graphit, fast etwas wie rohe Fleischjus oder frisch aufgeschnittenes Dry-Aged Beef. Gleichzeitig aber nie rustikal oder schwer, sondern unglaublich fein und präzise. Dahinter baut sich die Frucht langsam auf: dunkle Sauerkirsche, Holunder, schwarze Johannisbeere und zerdrückte Heidelbeeren. Mit Luft kommen immer mehr Facetten dazu – schwarzer Pfeffer, Wacholder, Teer, Süßholz, dunkle Kräuter und ein Hauch Blutorange. Und genau hier wird der Wein so einzigartig. Diese wilde, fleischige Tiefe erinnert tatsächlich an große traditionelle Barolo aus Serralunga oder Monforte – gleichzeitig besitzt der Wein aber eine unglaubliche Feinheit und Transparenz. Fast burgundisch in seiner inneren Spannung und Präzision. Am Gaumen dann monumental, aber nicht monumental im Sinne von Masse. Sondern in seiner Struktur und Detailtiefe. Ultrafeines, kreidiges Tannin zieht sich engmaschig über die Zunge. Die Säure wirkt kühl und vibrierend, hält alles permanent in Bewegung. Trotz der Konzentration bleibt der Wein beinahe schwerelos. Die Frucht bleibt dunkel und herb, nie süß. Immer wieder kommen salzige Mineralität, Blutorange, schwarze Olive und Kräuterwürze hoch. Dazu diese fast eisenartige Frische, die den Wein komplett definiert. Alles wirkt unglaublich fokussiert und langgezogen. Im Nachhall dann pure Spannung. Salz, Stein, Rauch, dunkle Frucht und florale Kühle bleiben minutenlang stehen. Eine Mischung aus der Tiefe großer Nebbiolo und der Präzision feinster Burgunder – nur eben vollkommen Lutzmannsburg. Groß!