Die Ried Kirchberg ist innerhalb der kleinen Moric-Lagenserie wahrscheinlich der burgundischste Wein. Eine steilere, kühle Nordwestlage oberhalb der Ortschaft Kirchstetten, geprägt von extrem kalkreichen Böden und ständigem Luftzug. Die Reben sind zwischen 40 und über 100 Jahren alt und stehen hier auf mehreren kleinen Parzellen mit unterschiedlicher Exposition, aber immer auf Kalk. Genau daraus entsteht diese unglaubliche Feinheit und Transparenz. Wie immer spontan im offenen Holzbottich vergoren, mit kleinen Rappenanteilen, anschließend rund zwei Jahre Ausbau in gebrauchten 500-Liter-Fässern. Ungeschönt und unfiltriert, nichts kaschiert hier die Herkunft.,Schon die Nase ist vollkommen faszinierend in ihrer Kühle und Eleganz. Sofort diese kalkige Frische, fast wie nasser Stein nach Sommerregen. Die Frucht läuft klar ins Blaue: Heidelbeere, Herzkirsche, Brombeere und dunkle Waldhimbeere, dazu Sauerkirsche und etwas Granatapfel. Gleichzeitig schwebt eine unglaublich feine Würze darüber: Nelke, Piment, etwas Zimt und ganz zarte Lakritze. Dahinter kommen florale Töne hoch von Veilchen und getrockneten Rosenblättern. Mit Luft immer mehr Feinheit und Transparenz. Tatsächlich erinnert das stilistisch fast an Vosne-Romanée. Nicht wegen irgendeiner direkten Aromatik, sondern wegen dieser Mischung aus Gewürz, seidiger Textur und kühler blauer Frucht. Alles wirkt schwebend, vollkommen unangestrengt. Am Gaumen dann die große Überraschung: Der Wein ist noch feiner und filigraner, als die Nase ohnehin schon vermuten lässt. Eine ultrafeine Klinge, getragen von seidigem, engmaschigem Tannin und dieser vibrierenden Frische des Jahrgangs 2023. Der Wein gleitet förmlich über die Zunge – leichtfüßig, transparent und doch unglaublich tief. Die Frucht bleibt kühl und präzise, immer wieder kommen Sauerkirsche, blaue Beeren, etwas Blutorange und feine Kräuterwürze hoch. Dazu diese subtile kalkige Mineralität, die permanent Spannung erzeugt. Kein Gramm Schwere, kein Fett, alles ist auf Finesse und Energie gebaut. Im Nachhall dann pure Eleganz. Salziger Kalkstein, florale Frische, zarte Gewürze und ultrafeine Frucht bleiben minutenlang stehen. Mit Luft wird der Wein immer duftiger und fast ätherisch. Das ist kein Blaufränkisch der durch Wucht beeindruckt, sondern einer der Präzision und Grazie. Ein Wein von nahezu burgundischer, tänzelnder Feinheit, aber mit vollkommen eigenständiger Moric-DNA. Die reinste Leichtigkeit des Seins – und gerade deshalb so großartig.