Der Charmois ist für einen Saint Aubin wie im Vorjahr verblüffend geschmeidig und rund. Er hat eine tolle Cremigkeit, ist nicht so reduktiv-straff wie Hubert Lamy, sondern klassischer, runder in der Auslegung. Die Straffheit und das Grüne von Saint-Aubin, das manchmal auch ein bisschen aggressiv sein kann, ist schön warm eingepackt in 2023. Wir sind etwas gelblicher in der Frucht, es geht mehr zur Mirabelle, Reineclaude, ein Maul voll Wein. Die kräftige Prise Salz, die Saint-Aubin immer hat, bewahrt den Charmois im Mund davor wirklich in die Breite zu gehen. Er hat schon ziemlich viel Zug für seinen dichten Körper. Es ist schon deutlich reifer als das schmale 2021, auch wenn viel über die Verwässerung der 2023er gesprochen wird, aber die Hitze zur Zeit der Lese hat die Trauben relativ schnell wieder einkonzentriert. Es mangelt jedenfalls absolut nicht an Körper, nichtmal in Saint-Aubin, ganz im Gegenteil. Irgendwo eine Mischung aus 2015, 2020 und 2022.
Der Jahrgang 2023 präsentiert sich als eine perfekte Symbiose aus Klassik und Moderne. Nach den extremen Hitzejahren der Vergangenheit wirken die 2023er wie ein »tiefes Ausatmen«. Sie sind geprägt von seidiger Textur, cremiger Zugänglichkeit und einer hellen, strahlenden Frucht. Besonders beeindruckend ist die Kombination aus Transparenz für das jeweilige Terroir und einer verführerischen Extraktsüße. 2023 war für die Winzer im Burgund ein Befreiungsschlag in Sachen Quantität. Trotz der großzügigen Erträge fehlt es den Weinen nicht an Konzentration, da hohe Extraktwerte einer Verwässerung entgegenwirkten. Das Wetter war über den Sommer moderat mit ausreichend Niederschlag, bis eine extreme Hitzewelle kurz vor der Lese im September für den finalen Schub an Reife und Dichte sorgte. Während die Weißweine an die Reichhaltigkeit von 2018 erinnern, bewahren sie durch eine feine Säurefrische ihre klassische Brillanz. Es ist ein Jahrgang des puren Genusses, der bereits in seiner Jugend viel Freude bereiten wird und bei den Rotweinen an die reiche Eleganz von 2019 erinnert.