Lobenberg: Wie das meiste bei Sauer wird auch das GG im Edelstahl vergoren und ausgebaut, bleibt lange auf der Hefe liegen, wird teilweise auch ab und zu aufgerührt, um mehr reduktive Spannkraft reinzubringen. Das Tolle an Sauers Weinen ist ja diese strahlende Frucht, diese Intensität und die Spannung, die sich aus der Frucht aufbaut. Das ist kein Holzstil wie May oder Luckert, bei denen die Frucht viel mehr abgeschmolzen ist, die viel mehr zum Boden- und Erdaromen gehen. Nein, hier sind wir bei der Klarheit, beim Kristallinen und eben in der gelben Frucht, die intensiv aus dem Glas kommt. Der Wein ist komplett durchgegoren in 2022, was selten passiert. Aber er schmeckt keineswegs knochentrocken, sondern kommt mit seiner feinen Fruchtdichte in der Mitte, schiebt über zarte Mirabelle und Nektarine, hat etwas grüne Mandarine im Nachhall. Er wirkt sogar fast schlank, was paradox ist, und geschliffen, äußerst fein, ist gar nicht so weit weg von 2021 wie man meinen würde, obwohl es hochreife Trauben von 96 Oechsle waren. Der Fruchtdruck schiebt den Wein an, schöner Schmelz aus dem hohen Extrakt mit einer gewissen Süße im Fruchtkern, die ja absolut nicht von Zucker kommt. Gepaart mit der leicht exotischen Pikanz und Grapefruitsäure ergibt das schon einen ziemlich berauschenden Lump irgendwo im Spannungsfeld zwischen Schlankheit und Intensität. Verblüffend, gefällt mir dieses Jahr, wie letztes Jahr, extrem gut. 96-97+/100