Das großartige Sektprojekt geht in die nächste Runde – und die Cuvée 205, basierend auf dem Jahrgang 2022, zeigt einmal mehr, wie präzise und eigenständig Christmann & Kauffmann ihre Handschrift weiterentwickeln. 2022 war ein wärmeres, trockeneres Jahr, das aber durch einen entscheidenden, gleichmäßigen Regen Ende Juni perfekt ausbalanciert wurde. Die biodynamisch bewirtschafteten Weinberge konnten diese Wasserreserven optimal speichern, die Reben wurzeln tief – das Ergebnis waren Trauben mit Reife, Substanz und gleichzeitig frischer, klarer Säurestruktur. Die Cuvée besteht aus rund 40% Spätburgunder sowie je etwa 30% Chardonnay und Weißburgunder, gewachsen auf kalk- und buntsandsteingeprägten Böden rund um Gimmeldingen, Königsbach und Mußbach. Alte Reben aus den 80ern treffen auf jüngere Pflanzungen. Spontanvergoren, überwiegend im Holz ausgebaut, anschließend klassische Flaschengärung. 30 Monate Hefelager, degorgiert im November 2025, selbstverständlich Brut Nature. Zudem der erste Jahrgang mit Bio-Zertifizierung. In der Nase direkt diese typische, kühle Präzision. Zerstoßener Kalk, nasser Stein, ein Hauch Feuerstein, mit Luft öffnet sich das Aromenspektrum deutlich und wird breiter: reife Zitrusnoten wie Zitronenzeste und etwas gelbe Grapefruit, dazu viel gelbe Frucht – Mirabelle, reifer Apfel, saftige Williamsbirne, auch ein Hauch gelber Pfirsich und etwas Aprikose. Ganz subtil kommt auch eine leicht exotische Nuance durch, aber sehr fein dosiert. Dahinter schieben sich Hefenoten – frisches Brioche, ein wenig Hefezopf, geröstete Haselnuss und Mandel, dazu eine feine Würze und ein Hauch Blütenhonig. Alles wirkt unglaublich harmonisch und vielschichtig. Am Gaumen dann ein richtig schönes Spiel aus Saftigkeit und Struktur. Die Perlage ist sehr fein, fast cremig eingebunden, die Säure präsent, aber perfekt integriert und nie spitz. Die Frucht ist hier noch etwas klarer und saftiger: gelber Apfel, Birne, etwas Quitte, dazu wieder diese gelbfruchtige Wärme, die von der frischen Zitruslinie perfekt eingefangen wird. Gleichzeitig läuft eine salzige, kalkige Mineralität durch, die dem Wein Tiefe und Spannung gibt. Was besonders auffällt, ist diese Balance aus Reife und Frische. Der Wein hat Druck, hat Substanz, wirkt aber nie schwer. Alles bleibt in Bewegung, tänzelnd, fast spielerisch, trotz der inneren Dichte. Im Finale dann lang, saftig, salzig und zitrisch geprägt, mit feinem Hefeschmelz und leicht nussigem Nachhall. Immer wieder kommt diese gelbe Frucht hoch, eingebettet in die mineralische Struktur. Wieder eine geniale Cuvée mit enormer Finesse und Tiefe – saftig, gelbfruchtig, mineralisch und unglaublich präzise. Macht richtig Spaß und bleibt gleichzeitig so elegant, zeigt einfach große Klasse.