Ein Release jagt das nächste bei Christmann & Kauffmann – und die Einzellagen-Sekte legen nochmal spürbar nach. Mit der Meerspinne kommt nun ein Chardonnay ins Spiel, der die Lage genauso kompromisslos transportiert, wie man es von den großen Rieslingen von dort kennt. Kühl, steinig, extrem präzise. Ein Sekt, der weniger über Frucht, sondern über Struktur, Mineralität und Energie kommt. Die Reben, Mitte der 90er gepflanzt, stehen in Ostexposition auf Buntsandsteinschotter und Löss auf Kalk, geprägt von den kühlen Einflüssen des nahen Pfälzerwaldes. 60 Monate Hefelager, Brut Nature, keinerlei Dosage – hier wird nichts geschönt, nichts abgerundet. Eben pure Herkunft. In der Nase sofort diese klare, helle Mineralität. Feuerstein, nasser Kalk, Muschelschale, dazu eine feine, leicht rauchige Reduktion. Mit Luft kommen helle Blüten, etwas Lindenblüte, zarte Wiesenkräuter, dazu ein Hauch weißer Tee. Die Frucht bleibt subtil, aber präzise: Limettenschale, Bergamotte, etwas grüne Birne und ein Anflug von weißem Pfirsich. Alles wirkt kühl, fast schwebend, dabei unglaublich fokussiert. Am Gaumen dann auch auf genau dieser Linie laufend: Straff, kristallin, zupackend, mit ultrafeiner, tänzelnder Perlage. Die Säure ist messerscharf, aber perfekt eingebunden, trägt den Wein und gibt ihm diese vibrierende Frische. Die Frucht bleibt hell und klar – Zitrus, ein Hauch gelbes Steinobst –, wird aber sofort von dieser salzigen, kalkigen Mineralität eingefangen. Das lange Hefelager bringt zusätzlich feinen Schmelz, etwas Brioche und einen Hauch Mandel, bleibt aber bewusst dezent. Der Wein bleibt immer auf Spannung, nie opulent, nie breit. Im Finale dann beeindruckend lang, salzig, steinig und unglaublich präzise, mit einer fast ätherischen Frische und feiner floraler Note im Nachhall. Ein großer Blanc de Blancs, der weniger schmeichelt als beeindruckt – glasklar, mineralisch und mit elektrisierender Finesse. Große Klasse!