Chateau Seguin 2025
- Cabernet Sauvignon 55%, Merlot 45%
- rot, trocken
- 14,0% Vol.
- Trinkreife: 2032–2050
- Verpackt in: 12er OHK
- voluminös & kräftig
- tanninreich
- Lobenberg: 97–100/100
- Yves Beck: 94–96/100
- Gerstl: 20/20
- Frankreich, Bordeaux, Pessac Leognan
- Allergene: Sulfite,
Abfüller / Importeur:
Seguin, Chemin de la House, 33610 Canejan, FRANKREICHZutaten:
Trauben Konservierungsstoffe / Antioxidantien: Sulfite (E220–E224)100ml enthalten durchschnittlich Brennwert 81 kcal / 337 kJ Kohlenhydrate 1,1 g Zucker 0,1 g Enthält geringfügige Mengen von Fett, Fettsäuren, Eiweiß, Salz
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Heiner Lobenberg über:
Chateau Seguin 2025
/100
Was für ein grandioser 2025er Seguin! Gewonnen aus einem sehr kleinen Ertrag von lediglich 27 Hektolitern pro Hektar. Der Wein besteht aus 55 Prozent Cabernet Sauvignon und 45 Prozent Merlot. Der Merlot wurde vom 10. bis zum 16. September gelesen. Die Cabernet Sauvignon vom 17. bis zum 20. September. Der Alkoholgehalt liegt bei 13,5 Volumenprozent. Es gibt ungefähr 45.000 Flaschen. Die Farbe des 2025er ist – typisch für Seguin – schwarz und dunkel. Das Besondere an 2025 ist diese feine, charmante Duftigkeit, wie wir sie auch 2023 hatten. Aber sie ist deutlich lebendiger, feiner und schicker als etwa 2022. Der war mit seiner niedrigeren Säure doch ein deutlich heftigerer Wein. 2025 ist ausgesprochen schick, mit feiner roter Kirsche, schwarzer Kirsche und Orangenzesten, auch ein bisschen Moschus. Etwas Exotik, aber tänzelnd und verspielt! So weit so gut… Aber dann kommt der Mund: Und der ist schon verblüffend! Hier haben wir sowohl den Punch aus 2022 als auch das Filigrane aus 2023, ja sogar das Zarte aus 2024. Was für ein unglaubliches Finesse-Spiel im Mund! Vornehmlich rote Frucht mit roter Johannisbeere, roter Kirsche und Sauerkirsche. Aber alles extrem fein! Die Tannine sind nicht spürbar, der ganze Gerbstoff ist seidig weggezaubert. Das ist fast schon erinnernd an das Burgund oder an die Loire, vielleicht sogar an Hochlagen Grenache aus Gredos in Spanien. Diese verspielte Finesse hätte ich in 2025 so nicht erwartet, auch wenn wir schon in den vergangenen zwei Tagen vom rechten Ufer verwöhnt waren. Aber dass Weine aus Pessac-Léognan dermaßen spielerisch-leicht und beschwingt daherkommen, mit gleichzeitig Substanz, Druck und Frucht, war mit neu. Das ist ein ziemlich perfektes Jahr für Seguin und vielleicht – wenn wir Glück haben – für die gesamte Appellation. Das ist im Grunde ähnlich schick wie ein Domaine de Chevalier, mit etwas mehr Intensität. Nicht rustikal wie La Mission und Haut-Brion, in ihrem Cabernet-Ausdruck, sondern so fein wie Domaine de Chevalier. Eine Ode an die Freude, mit großer Länge und spielerischer Leichtigkeit! Konzentrierte Finesse – Feinheit auf die Spitze getrieben… Natürlich ist es eine Geschmackssache, ob man total auf Finesse steht oder ob man mehr den Punch des Médoc aus Pauillac oder Saint-Estèphe möchte. Ich persönlich finde diese totale Verspieltheit mit dieser hohen Aromatik und dieser verträumten Komplexität ganz, ganz großes Kino! *** Château Seguin liegt in Pessac-Léognan, also inmitten starker ozeanischer Klimaeinflüsse. Die typische Komposition der Böden ist hier ein Sand-Kies-Gemisch. Die Böden sind identisch mit denen der Nachbarn Haut-Brion und La Mission Haut-Brion, das ist auch in historischen Büchern nachzulesen. Man findet hier minimale Einsprengsel von Lehm und Sand im Kies. Das Weingut umfasst 30 Hektar, die Reben stehen in Dichtpflanzung mit 7.000 Stöcken pro Hektar. Das ist sicherlich eines der Erfolgsgeheimnisse. Die Vergärung geschieht spontan, drei bis fünf Tage kalte Vormazeration, dann die Vergärung überwiegend im INOX-Stahl für 25 Tage. Die Malo dann im Holz. Der 12-monatige Ausbau erfolgt zu 30 Prozent in neuen Barriques, zu 70 Prozent in gebrauchten. Der Besitzer, Denis Darriet erzeugt den Erstwein nur aus den älteren Reben, die inzwischen über 30 Jahre sind. Trauben von sandigeren Böden gehen in den Zweitwein, jene von den Top-Böden, mit Kies und etwas Lehm, gehen in den Erstwein Seguin. Seit 2018 besitzt Château Seguin die höchste staatliche Zertifizierungsstufe im Bereich der ökologische Bearbeitung. Der technische Direktor ist Xavier Moragues, der beratende Önologe Stéphane Derenoncourt.
Jahrgangsbericht
Was für ein Jahrgang! Perfektes Wetter und Klima von Beginn an, reichlich Wasser im Winter und Frühjahr, gute Blüte, sich langsam steigernder Sommer inklusive, wie so oft, etwas zu viel Trockenheit und Hitze, zum Glück dann gerade noch rechtzeitig reanimierende Schauer Ende August und Anfang September. Etwas extrem nur, am linken Ufer nicht so brutal wie 2022, und doch intensiver und perfekter und etwas massiver und druckvoller als 2023 und 2024, sehr 2016er Stil! Viel besser geht es nicht. /// Auf dem rechten Ufer eher eine Wiederholung von 2022. Nach den bis dahin größten, massiven Jahrgängen 2005, 2009 und 2010, den elegant archetypischen, perfekte balancierten konzentrierten 2016 und feinerem 2020, dem spannend aufregenden Unikats-Jahrgang 2019, dem »best ever« 2022, dem umarmenden Supercharmeur 2023 und dem schlanken, reifen und zarten 2024, kommt 2025 wie bestellt und auf Samtpfoten mit einem eigenen Charakter daher. Die konzentrierte Eleganz und große Harmonie und Frische aus 2016 kommt auf dem linken Ufer dazu, ergänzt um die, sich nach der Gärung schon zeigende, erstaunlich frühe Zugänglichkeit und seidige Eleganz mit fruchtig, charmant saftigem Trinkfluss. /// Er scheint auf dem rechten Ufer den ewig lagerfähigen Tannin-Blockbuster (bei sehr moderater Säure) des Hyper-Jahrgangs 2022 (die Reinkarnation von 1982 und 1961 und 1945) zu kopieren, auf dem linken Ufer den 2016er, aber doch auch mit dem viel saftigeren und charmant umarmenden 2023er vereint. 2025 scheint dazu die Spannung und Frische bei sehr moderatem Alkohol (13 Grad) aus 2019 zu ergänzen, und dieser erstaunlich geringe Alkohol ist schon ein Merkmal der Perfektion. Die konzentrierte Eleganz und große Harmonie und Frische aus 2016 kommt auf dem linken Ufer dazu, ergänzt um die, sich nach der Gärung schon zeigende, erstaunlich frühe Zugänglichkeit und seidige Eleganz mit fruchtig, charmant saftigem Trinkfluss. /// Am linken Ufer gibt es ein Drittel weniger Menge als im Durchschnitt, kleinste Beeren, viel Struktur in den Cabernets, aber dank des späten Regens und einiger segensreicher Regensommerstürme auch eine gewisse Frische und Saftigkeit bei toller Reife und Frucht mit perfekter, mittlerer Säure und nur 13 Grad Alkohol. Jean Marc Quarin, Frankreichs Verkostungs-Star: »... eher dem Jahr 2016 ähnlich als 2022 – mit vergleichbaren Alkoholgraden zwischen 13,0 und 14,0 % und ähnlich niedrigen pH-Werten, gleicht 2025 einem 2016(+) mit mehr Präsenz schon beim ersten Eindruck, einem volleren, breiteren Mittelgaumen, einem ansteigenden Verlauf und längeren Abgängen.« Die Werte und Geschmackseindrücke der telefonischen Reports der »Superseconds« von Montrose und Pichon Lalande sowie Pontet Canet erinnert an 2020 und 2016. /// Meine allerersten Eindrücke Ende Januar bestätigen die große Ähnlichkeit mehr zu 2016, etwas konzentrierter und dichter als 2020. Ein perfektes Jahr und ein einfach superber Jahrgang 2025, allerdings mit sehr geringen Mengen. Reife, extrem fruchtige Merlots mit spät voll reifender, pikanter Cabernet und winzigen Erträgen. /// Im Süden, in Pessac, klingt es sogar euphorisch. Der biodynamische Régisseur von Château Carmes Haut Brion, Guillaume Pouthier, schrieb mir im Oktober: »2025 is a very very great vintage because the wine (after 30 days in the vat) comes with a perfect balance, huge and very fine structure, a lot perfume and already an amazing drinkability. It’s a PARADOX vintage because all the people think we find a lot of alcohol in the wine but the average for Carmes is only 13°. It’s a WOW vintage. Come on Heiner, taste it !!!« /// Auf dem rechten Ufer haben die besten Kalksteinterroirs Saint Emilions und die Feuchtigkeit speichernden kühleren Lehmböden des Pomerol grandiose Ergebnisse eingefahren. Die Merlot war mehr als superb in Pomerol, vielleicht ein »best ever«, weil 2025 trotz der Mini-Erträge doch saftiger ist als 2022. Dafür litt Cabernet in Pomerol auf sandigen Böden unter der Trockenheit, auf feuchtem Lehm und Ton und auf Kiesböden war alles fein, allerdings auch hier sehr kleine Erträge. Auf Kalkstein war die Cabernet Franc der großartigen Merlot sogar überlegen, so gut war das Ergebnis dieser Rebsorte noch nie sagt der Castillon-Biodynamiker Clos Louie und Adrien Beaulieu vom Bio-Weingut Château Coutet. DAS "Cabernet-Franc Jahr" 2025 sagen sie. Chateau Coutet und das ebenfalls biologisch arbeitende Jean Faure vergleichen 2025 sogar mit einem etwas balancierteren und konzentrierteren 2019 und setzen den Jahrgang 2025 ob seiner fruchtigen Saftigkeit und Frische mit geringem Alkohol sogar über 2022. Alles bei moderaten 13,5 Alkohol auf Kalkstein und moderaten 14 Grad Alkohol auf Lehm und Sand und Kies in Pomerol. Auf Kalkstein in Saint Emilion und Castillon, dem in 2025 wohl perfekten Terroir, gab es sogar halbwegs normale Mengen. In Pomerol hat die Trockenheit ihren Tribut in Form von 30% Ernteeinbußen gefordert. Reif, saftig, fruchtig, elegant, sehr balanciert trotz hoher Konzentration, aber eben sehr wenig. /// 2025 reiht sich ganz sicher ein bei den besten Bordeaux-Jahrgängen ever aus 2009, 2016 und 2022, und ist dabei einer der balanciertesten und ausgewogendsten Jahrgänge überhaupt. UND sehr früh zugänglich und charmant. So soll es sein! /// Aber die Winzer sagen auch, dass sie mit solch extremen Klimabedingungen und geringsten Erträgen, auf Dauer am Rande der Überlebensfähigkeit sind.
/100
Yves Beck über: Chateau Seguin
Auf Anhieb präsentiert sich das Bouquet von Seguin präzise und subtil. Die Fusion aus blumigen, würzigen und fruchtigen Noten ist besonders gelungen und unterstreicht nicht nur die Vielfalt, sondern auch die Tiefe. Der Wein ist dicht im Auftakt und verfügt über liebliche, samtene Tannine. Sie sorgen für Kraft und Gelassenheit und harmonieren mit dem erfrischenden Charakter der Säurestruktur, während eine subtile Herbheit den aromatischen Ausdruck und den langen Abgang unterstreicht. Ein vollmundiger, stimmiger, kraftvoller Wein von hoher Präzision.
/20
Gerstl über: Chateau Seguin
Wir kommen direkt von der Schweiz nach Cap Ferret wo wir wie schon seit vielen Jahren im Haus von Denis Darriet als ersten Bordeaux des Jahrgangs den Château Seguin probieren. Einmal die Nase an dieses Glas halten, der Himmel auf Erden, ein Traum, das übertrifft sämtliche sehr hoch angesetzten Erwartungen. Im ersten Moment eine kleine Fruchtbombe, aber fast gleichzeitig kommt auch die arometische Tiefe zum Vorschein, da ist Terroir ohne Ende, ein Duft von einzigartiger Komplexität und es ist Seguin wie aus dem Bilderbuch, das ist seine unverkennbare Persönlichkeit. Explosiver Gaumenauftritt, auch hier ist es zu Beginn ein herzerfrischendes Fruchtbündel, irre konzentriert und doch vom beschwingter Leichtigkeit, genial wie der leichtfüssig über den Gaumen tänzelt, seine geballte Ladung Aromen schwebt förmlich über den Gaumen. Ich meine der beste Seguin aller Zeiten, zumindest der raffinierteste. Ist das überhaupt möglich, kann er tatsächlich mochmals einen draufsetzen nach den grandiosen 2016, 2018, 2019, 2020, 2022? Ich bin ganz sicher, dass es so ist. Er wird sich auch jung schon in Hochform präsentieren. (mg)
Seguin
Der im letzten Jahrhundert bekanteste Weinführer »Cocks an Feret« lobte das damals im Besitz der Familie Pascal befindliche Château in den höchsten Tönen: »the highest part of the commune, with magnificent gravely rises producing full-bodied, elegant wines similar of those of Haut-Brion«. Besitzer...