Was für ein grandioser 2025er Seguin! Gewonnen aus einem sehr kleinen Ertrag von lediglich 27 Hektolitern pro Hektar. Der Wein besteht aus 55 Prozent Cabernet Sauvignon und 45 Prozent Merlot. Der Merlot wurde vom 10. bis zum 16. September gelesen. Die Cabernet Sauvignon vom 17. bis zum 20. September. Der Alkoholgehalt liegt bei 13,5 Volumenprozent. Es gibt ungefähr 45.000 Flaschen. Die Farbe des 2025er ist – typisch für Seguin – schwarz und dunkel. Das Besondere an 2025 ist diese feine, charmante Duftigkeit, wie wir sie auch 2023 hatten. Aber sie ist deutlich lebendiger, feiner und schicker als etwa 2022. Der war mit seiner niedrigeren Säure doch ein deutlich heftigerer Wein. 2025 ist ausgesprochen schick, mit feiner roter Kirsche, schwarzer Kirsche und Orangenzesten, auch ein bisschen Moschus. Etwas Exotik, aber tänzelnd und verspielt! So weit so gut… Aber dann kommt der Mund: Und der ist schon verblüffend! Hier haben wir sowohl den Punch aus 2022 als auch das Filigrane aus 2023, ja sogar das Zarte aus 2024. Was für ein unglaubliches Finesse-Spiel im Mund! Vornehmlich rote Frucht mit roter Johannisbeere, roter Kirsche und Sauerkirsche. Aber alles extrem fein! Die Tannine sind nicht spürbar, der ganze Gerbstoff ist seidig weggezaubert. Das ist fast schon erinnernd an das Burgund oder an die Loire, vielleicht sogar an Hochlagen Grenache aus Gredos in Spanien. Diese verspielte Finesse hätte ich in 2025 so nicht erwartet, auch wenn wir schon in den vergangenen zwei Tagen vom rechten Ufer verwöhnt waren. Aber dass Weine aus Pessac-Léognan dermaßen spielerisch-leicht und beschwingt daherkommen, mit gleichzeitig Substanz, Druck und Frucht, war mit neu. Das ist ein ziemlich perfektes Jahr für Seguin und vielleicht – wenn wir Glück haben – für die gesamte Appellation. Das ist im Grunde ähnlich schick wie ein Domaine de Chevalier, mit etwas mehr Intensität. Nicht rustikal wie La Mission und Haut-Brion, in ihrem Cabernet-Ausdruck, sondern so fein wie Domaine de Chevalier. Eine Ode an die Freude, mit großer Länge und spielerischer Leichtigkeit! Konzentrierte Finesse – Feinheit auf die Spitze getrieben… Natürlich ist es eine Geschmackssache, ob man total auf Finesse steht oder ob man mehr den Punch des Médoc aus Pauillac oder Saint-Estèphe möchte. Ich persönlich finde diese totale Verspieltheit mit dieser hohen Aromatik und dieser verträumten Komplexität ganz, ganz großes Kino! *** Château Seguin liegt in Pessac-Léognan, also inmitten starker ozeanischer Klimaeinflüsse. Die typische Komposition der Böden ist hier ein Sand-Kies-Gemisch. Die Böden sind identisch mit denen der Nachbarn Haut-Brion und La Mission Haut-Brion, das ist auch in historischen Büchern nachzulesen. Man findet hier minimale Einsprengsel von Lehm und Sand im Kies. Das Weingut umfasst 30 Hektar, die Reben stehen in Dichtpflanzung mit 7.000 Stöcken pro Hektar. Das ist sicherlich eines der Erfolgsgeheimnisse. Die Vergärung geschieht spontan, drei bis fünf Tage kalte Vormazeration, dann die Vergärung überwiegend im INOX-Stahl für 25 Tage. Die Malo dann im Holz. Der 12-monatige Ausbau erfolgt zu 30 Prozent in neuen Barriques, zu 70 Prozent in gebrauchten. Der Besitzer, Denis Darriet erzeugt den Erstwein nur aus den älteren Reben, die inzwischen über 30 Jahre sind. Trauben von sandigeren Böden gehen in den Zweitwein, jene von den Top-Böden, mit Kies und etwas Lehm, gehen in den Erstwein Seguin. Seit 2018 besitzt Château Seguin die höchste staatliche Zertifizierungsstufe im Bereich der ökologische Bearbeitung. Der technische Direktor ist Xavier Moragues, der beratende Önologe Stéphane Derenoncourt.