Das Château Julia macht bekanntermaßen einen Haut-Médoc und einen Pauillac. Beide Weinberge gehen ineinander über. 2025 ist der Unterschied dieser nur 2.700 Flaschen Pauillac dann doch erstaunlich hoch. So hoch, dass man sie dann doch dramatisch differenzieren muss – sowohl in der Bewertung als auch im Preis. Denn dieser Pauillac ist eine unglaubliche Schönheit! 2025 zeigt hier mit aller Klarheit, wie groß die Unterschiede des Terroirs selbst auf engstem Raum sein können. Der Wein besteht 2025 aus 65 Prozent Merlot und 35 Prozent Cabernet Sauvignon. 35 Hektoliter pro Hektar Ertrag, 13 Volumenprozent Alkoholgehalt. Spontan im Edelstahl vergoren, anschließend in 70 Prozent neuen Barriques und 30 Prozent gebrauchten ausgebaut. Sehr dunkel, fast schwarz steht Julia 2025 im Glas. Reichlich satte schwarze Kirsche, unendlich fein… Viel Veilchen darunter, auch etwas Exotik mit Maracuja, gelbem Pfirsich und Blaubeerschalen. Dann kommt rote Kirsche dazu mit feiner Süße. Der Holzeinsatz ist wirklich perfekt. Wow, wenn alle Pauillacs in diesem Jahrgang so ausfallen! Ich kann gar nicht aufhören mit diesem Glas. Die Nase ist einfach eine solche Schönheit! Eine Schönheit, die sich klar erhebt über den Zweitwein von Pichon Lalande und über viele andere klassifizierte Châteaux in Pauillac. Genau so kann ein Wein für mich sein, wenn er vom linken Ufer kommt. Wenn er dann noch aus Pauillac kommt, mit diesem kompletten Schliff der Tannine, ist es das Größte! Im Mund: Rasse und Schönheit halten sich die Waage. Ein totaler Schliff in den Tanninen, sie sind samtig, seidig und butterweich… Aber nie massiv, sondern immer wie ein feiner Schleier durch den Mund ziehend. Eine superfeine Finesse-Ausgabe eines Lynch Bages! Das ist diese perfekte Balance aus Kraft und Finesse, die große 2025er so unwiderstehlich macht. Das ist kein auf Größe und Imposanz getrimmter Wein, sondern der wahre Ausdruck eines fantastischen Jahrgangs! Unendlich schön, unendlich fein… Mit wunderbarer Länge und leichter Salzspur. Im Grunde ein Pauillac, der wie ein superfeiner Pomerol daherkommt. Auch Saint-Émilion könnte ich blind vermuten. Und trotzdem kommt immer wieder Pauillac durch mit dieser Würze und luftigen Erhabenheit. Wenn der Nachbar Lynch Bages es dieses Jahr auch so gut getroffen hat, werden womöglich die 100 fällig. Ein echtes Highlight in diesem Jahrgang! So fein, so klar und gleichzeitig so tief – das ist Pauillac in seiner elegantesten Form. Besser und dabei noch viel feiner noch als der nicht unähnliche, große und charmante Chateau Batailley, merh als gleicher Level der Qualität! Großartiger Pauillac, großartiger Julia! *** Dieses winzige Château von unter einem Hektar gehört Sophie Martin und Romain Carreau, die beide auch die Winemaker und Önologen sind. Insgesamt 0,62 Hektar Reben liegen direkt neben dem Château Lynch Bages im Ort Bages auf Kies, also in bester Lage von Pauillac. Über 60 Jahre alte Reben. Es ist mir ein großes Rätsel, wie Sophie und Romain so lange den Avancen der verschiedenen umliegenden Top-Château widerstehen konnten und dieses Kleinod nicht verkauft haben. Die jüngsten mediterranen Jahre, 2018 und 2016, haben mich dazu bewogen, mit Château Julia zu arbeiten. Es liegt auf einem Kiesplateau, ist aber doch eher kühl im Terroir und so grundsätzlich von wärmeren klimatischen Bedingungen begünstigt. Deshalb sind die Jahre seit 2015 ein qualitativer Durchbruch. Julia wurde erst 2007 aus der Kooperative herausgenommen. Sophie hat dieses Château aufgeteilt – eine Hälfte ist bei einem Bruder geblieben, der weiterhin an die Kooperative abliefert. Sie selbst besitzt fünf Hektar – vier Hektar Haut-Médoc und eben diese 0,62 Hektar Pauillac.