Der 2023er besteht aus 60 Prozent Merlot und 40 Prozent Cabernet Franc. 14 Volumenprozent Alkohol, pH-Wert 3,5. Die Nase ist 2023 mit dieser expressiven Frucht. Das erinnert sehr an Jean Faure. Naturweincharakter, ein Sprung in die Dosenerdbeere mit satter Himbeere darunter, ganz feiner Lakritze und Minze. Extrem fruchtig, anders kann man es nicht sagen. Ein wunderschön reiner Beerensaft, ein Dessert in der Nase. Berauschend! Die Cabernet Franc drückt komplett durch mit dieser Erdbeere und Himbeere. Extrem soft fermentiert, nicht extrahiert. Der Mund kriegt mit mehr Luft Stück für Stück mehr Kalkstein und Salz. Mit der Himbeere und der Erdbeere gibt das feine Würze, Vibration und Struktur. Aber es bleibt von Beginn an ein extrem hedonistischer, köstlicher Wein. Das Ganze mit reicher Fruchtfülle und seidigen Tanninen. Das Tanninlevel ist etwas höher als in den Vorjahren, weil der Anteil Cabernet Franc Anteil gestiegen ist. Der Wein ist eine wahre Schönheit. Ob man es glaubt oder nicht: Wir sind hier mindestens auf dem Level von 2022. Die Schönheit schlechthin in diesem Jahrgang, zusammen mit Jean Faure. *** Dieses Miniweingut von Jérôme Aguirre in Lalande Pomerol umfasst nur 4 Hektar. Sehr alte Reben. Das Terroir ist Kies mit leichten Sand- und Lehmanteilen. Nicht der üppig schwere Lehmboden, wie man ihn sonst häufig in der Region antrifft. Das Weingut gehört der Familie seiner Frau. Jérôme Aguirre ist der Chefönologe der Gruppe Kwok, der die Weingüter Bellefont-Belcier, Tour Saint Christophe und andere gehören. Jérôme war früher der Winemaker für Le Gay und La Violette. Aber wie gesagt, auf Haut Musset wohnt er, weil es das Weingut der Eltern seiner Frau ist. Die Trauben werden natürlich von Hand gelesen, die Auslese ist auch im Weinberg extrem. Es wird immer entrappt und im Zementtank spontan vergoren auf fast null Gramm Restzucker. Jerome füllt den Gärtank übermäßig voll und verschließt es. Das führt dazu, dass der ganze Tresterhut unter die Flüssigkeit gedrückt wird. Das hatten wir auch bei Carmes Haut-Brion, nur dass sich Jerome das Investment einer Stahlplatte nicht leisten kann. Aber es wird das gleiche Ziel erreicht. Für 14, 15 Tage bleiben die Rappen also unterhalb des Flüssigkeitslevels. Anschließend wird der Wein im Zement ausgebaut. Es wird kein Schwefel vor oder während der Gärung verwendet, auch nicht nach der Malo. Schwefel kommt erst im Hochsommer dazu, wenn die Temperatur stark ansteigt. Die Merlot-Reben sind 30 Jahre alt, die Cabernet Franc 12 Jahre. Es gibt insgesamt 10.000 Flaschen.