Château Domeyne besteht 2025 aus 60 Prozent Cabernet Sauvignon und 40 Prozent Merlot. Die Lese startete erstaunlicherweise für beide Rebsorten gleich am 12. September und zog sich über acht Tage. Im Glas: Dunkles Rubinrot mit schwarzen Reflexen. Eine beschwingte Nase, nichts ist aggressiv, sondern einfach nur fein, leicht und erhaben – wie der Traumjahrgang 2025 eben ist! Die Nase ist deutlich bestimmt von schwarzer und roter Kirsche. Ein leichter Hauch Veilchen und Lakritze kommt dazu, Nutella, schön floral, darunter ein wenig Walderdbeere. So eine duftige Präzision mit dieser Selbstverständlichkeit bekommt man nur in wirklich großen Jahren. Satte Tannine, die aber nicht spürbar sind. Frisch und voller Finesse! Dann ein Mundeintritt wie aus dem Bilderbuch: Sauerkirsche, rote und schwarze Kirsche, alles ist reif, aber alles frisch, leicht, luftig und beschwingt. Trotzdem ist das sehr substanzreich, tief und würzig. Die Tannine sind aber komplett poliert, so weich und schick! Und trotzdem mit viel Vibration und Grip in der so wunderbaren Länge… Das ist diese tänzelnde Spannung, die 2025 so besonders macht – kraftvoll im Kern, aber immer elegant und schwebend. Wir waren in der glücklichen Lage, jetzt im April daneben auch eine Charge probieren zu können, die noch gar nicht ins Holz gegangen ist. Sozusagen die pure Frucht des Jahres. Phänomenal! Das ist dem Jahrgang 2025 zu verdanken, aber auch diesem famosen Terroir zwischen Phélan und Calon Ségur. Eine tänzelnde Schönheit mit Erotik und guter Opulenz. Sehr an Calon Segur erinnernd, aber etwas feiner und femininer. Auch der Nachhall ist extrem fein und poliert. Der Wein hat keine Ecken und Kanten, trotzdem Grip, Dichte und Vibration. Das Tannin kommt als sanfter, seidiger Teppich, mit viel Schub in den mittleren Gaumen. Trotzdem ist es extrem weich… Ja, 2025 hat vielen Winzern, speziell hier in Saint-Estèphe und dem nördlichen Médoc, grandiose Weine beschert. Ein Bilderbuchjahrgang! Wenn Saint-Estèphe so fein und gleichzeitig so präzise daherkommt, dann weiß man, wie groß dieses Jahr wirklich ist. *** Der Besitzer ist Vincent Ginestet, die dritte Generation der Eigentümer von Château Margaux, also hochwohlgeboren. Die Domaine hat er 2017 von Claire und Gonzague Lurton gekauft, die Besitzer von Ferrière und Haut Bages-Libéral sind. Das Weingut liegt exakt zwischen Phélan-Ségur und Calon-Ségur. Viele Parzellen überschneiden sich, einige liegen auch innerhalb der Rebberge der beiden Nachbarn. Das Terroir ist Kalkstein mit einer Auflage von Lehm- und Kies. Also perfekte Voraussetzungen in trockenen Zeiten. Durch die Flussnähe immer gut mit Feuchtigkeit versorgt. Die maximale Gesamtproduktion liegt bei unter 20.000 Flaschen. Vincent hat gewaltig in die Weinberge investiert, die mit 9 Hektar aus ganzen 60 Parzellen bestehen. Dort stehen 50 Prozent Merlot und 50 Prozent Cabernet Sauvignon. Aber die Assemblage im Erstwein ist 60/40 zu Gunsten von Cabernet. Die Weinberge sind extrem dicht gepflanzt mit 9.500 Reben pro Hektar. Extrem kleine Bunches und noch kleinere Beeren, das Ganze läuft auf unter 500 Gramm pro Rebstock hinaus. Die Reben sind im Durchschnitt 40 Jahre alt, einige gehen jedoch auf die 100 Jahre zu. Gelesen wird in kleinen Körben, die Trauben werden im Keller komplett entrappt, über Rütteltische extrem selektiv ausgelesen und nach der Vergärung in einer Korbpresse abgepresst. Der Ausbau geschieht dann zu 30 Prozent in Neuholz, zu 70 Prozent in gebrauchtem Holz. Hier wird insgesamt biodynamisch gearbeitet, auch wenn es noch nicht zertifiziert ist. Beraten wird das Weingut von Eric Boissenot, der auch Calon-Ségur berät – gleiches Team, gleiche Leute, deshalb vielleicht auch – neben dem Terroir – die gewisse Ähnlichkeit.