Wie in fast jedem Jahr haben wir hier ziemlich genau hälftig Merlot und Cabernet Franc in der Cuvée. 70% Neuholz und 30% einjähriges Holz. Der Alkoholgehalt liegt bei etwa 14% Vol. Immense Intensität schon in der Nase, die nur so vor satter Beerenfrucht strotzt. Aber es ist keine drückende, fette Frucht, sondern einfach vollreif und konzentriert, gleichzeitig aber auch total abgehoben und erhaben. Sehr satte, ganz reife Herzkirsche mit Blaubeere, Himbeermark, etwas Walderdbeere. Nach einiger Zeit entdecke ich sogar Anklänge von Mangoschale. Über die Zunge tänzelt Clos Saint Julien dann förmlich! Wow, was für eine Eleganz, wie unfassbar zart und gleichzeitig vibrierend, druckvoll und frisch breitet sich der Wein im gesamten Mundraum aus. Grandiose reife Säuren mit salzigem Mineraldruck, Massen an poliertem Tannin. Durchaus druckvoll in seiner Struktur, das Tannin ist zahlreich vorhanden, aber es ist eben total fein. Außerdem beeindruckend in seiner Länge. Immer wieder nachschiebende, salzige Mineralität, dazu feine Süße und herb-würzige Anklänge von Lakritze mit schwarzem Pfeffer. Geniale Komplexität! Ein schicker Clos Saint Julien von toller Finesse. *** Clos Saint Julien ist das vierte Weingut von Cathérine Papon-Nouvel, der bekannten Biodynamikerin mit ihren vier winzigen Weingütern in Saint-Émilion und Castillon. Ab 2022 ist Clos Saint Julien ein Grand Cru Classé. Das gibt einen riesigen Ansehensschub, auch wenn sich der Wein deshalb natürlich nicht ändert. Das Weingut liegt komplett auf massivem Kalkstein direkt am Eingangskreisel von Saint-Émilions Plateau. Die Reben sind zwischen 40 und 80 Jahre alt. Es gibt nur 1,5 Hektar in extremer Dichtpflanzung und nur 7.000 Flaschen insgesamt. Unter dem Kalkstein, auf dem die Reben stehen, ist ein Höhlengewirr, das direkt in die Stadt führt. Also reiner Fels. In dieser extremen Art gibt es das fast nur auf Clos Fourtet und Clos Saint Martin. Cathérine Papon-Nouvel sortiert seit 2017 mit der von Château Ausone zuerst praktizierten Zuckerwasser-Sortierung. Nach kompletter Entrappung wird noch einmal nachsortiert, nur total cleane Beeren kommen in diese Lösung. Die Zuckerwasser-Konzentration entspricht dabei exakt dem des Safts vollreifer, gesunder Beeren. Das Ergebnis: In diesem Wasserbad sacken nur die reifen Beeren herunter, die man optisch von den etwas unreiferen nicht unterscheiden kann. Die unreifen Beeren bleiben auf der Oberfläche schwimmen und können abgeschöpft werden. Anschließend laufen die gesunden Beeren natürlich vor der Vergärung durch Klarwasser. Erst nach der Trocknung werden sie in die Vergärung gegeben. Der Wein wird spontan im Edelstahl vergoren und für 22 Monate in 70 Prozent neuen und 30 Prozent gebrauchten Barriques ausgebaut.