50 Prozent Merlot, 45 Prozent Cabernet Franc und fünf Prozent Cabernet Sauvignon. Zu 100 Prozent entrappt. Die Fermentation geschieht in großen Holz-Cuves und im Zement. Der Ausbau dann zu einem Drittel im Barrique, 10 Prozent Neuholz, zu einem Drittel in Amphoren und zu einem Drittel im Zement. Die Nase ist atemberaubend, ich kann es nicht anders sagen. Wow! Ich hatte schon viele Fruchtnasen in diesem Jahr, aber das erinnert mich am meisten an Château Jean Faure aus Saint-Émilion. Satteste Waldhimbeere und Walderdbeere. So reich, so intensiv! Moschus, dazu viel Veilchen und Rosenblätter. Eine enorme Süße ausstrahlend, ein reicher Körper mit exotischer Maracuja darunter. Schiebend ohne Ende… Im Mund wird der Wein dann deutlich schlanker und eleganter. Auch hier wieder Himbeere, Erdbeere, viel Minze, was eigentlich auf Rappen hindeutet. Ein bisschen Eukalyptus dazu, weiße Schokolade und Sahne. Guter Grip – seidiges, samtiges Tannin, aber kein reiner Fruchtsaft, sondern durchaus ein ernstzunehmender Wein mit Grip, Kraft und viel Mineralität im salzigen Finale mit der schönen Frucht. Für mich ist es schon überraschend, welche Anpassungsfähigkeit Thierry Valette hat. Er drückt den Jahrgang wirklich perfekt aus. Manchmal haben wir hier die pure Eleganz, manchmal – wie in diesem Jahr – haben wir die immense, fast exotische, reiche, überwältigende Frucht. HIER wird der Jahrgang abgebildet. Das ist phänomenal! Ein großer Spaßmacher, eine Ode an die Freude. Und völlig unterwartet in der immensen Furchtfülle mit der wunderschönen Fruchtsüße, der hellen Lakritze und dem Salz. Alles bleibt haften, ein extrem leckerer Wein! *** Clos Puy Arnaud liegt oben auf dem reinen Kalksteinplateau von Castillon in allerbester Lage. Ein Terroir wie man es sich auch in Saint-Émilion nicht besser vorstellen könnte. Der Besitzer ist Thierry Valette, ein Biodynamiker der ersten Stunde. Seinen Eltern gehörte das Weingut Château Pavie. Thierry ist nicht nur Biodynamiker sondern ein weit darüberhinausgehender Verteidiger der Umwelt, genau wie sein Freund Alain Moueix von Château Fonroque. Zwei der Top-Biodynamiker in Bordeaux, von denen es zum Glück immer mehr gibt. Aber alle sind ein ganz klein wenig schräg und eigenwillig – für die Umwelt nur das Beste. Thierry arbeitet jedes Jahr mit deutlich weniger Kupfer als es erlaubt wäre, sogar mit dramatisch weniger. Seine Trauben reifen aufgrund der Biodynamie und auch wegen der Verringerung des Kupfereinsatzes deutlich früher als vergleichbare Trauben. Thierry liebt den oxidativen Ausbau. Deshalb haben seine Weine viel Ähnlichkeit in der Stilistik und der Ausrichtung mit den Weinen von François Mitjavile von Tertre Roteboeuf. Allerdings passt er sorgfältig auf und so ist der Anteil an großen Holzgebinden mittlerweile deutlich größer als der Anteil der oxidativen Amphoren. Der Cabernet Franc-Anteil wächst von Jahr zu Jahr. Thierry stellt die Weinberge mittels Selection Massale Stück für Stück um, da seine Stilistik eindeutig Richtung Loire tendiert.