Ein großes Jahr voll vollkommener Harmonie! 2020 balanciert die Rhône meisterhaft aus und zeigt sich deutlich klassischer und frischer als die üppigen Vorjahre. Während der Norden ein monumentales Jahrhundertjahr feiert – tief wie 2015 und frisch wie 2016 –, glänzt der Süden mit saftigen, butterweichen und fruchtstarken Charmeuren. Ein Traum für jeden Keller!
2020 gab es an der Rhône insgesamt relativ normale Mengen. An der Nordrhône vielleicht insgesamt sogar etwas mehr als im Durchschnitt. Dort geht 2020 sicherlich als ein Jahrhundertjahrgang in die Geschichte ein. Die Tardieus vergleichen den Jahrgang 2020 mit einer Mischung aus dem superklassischen und frischen Jahr 2016 und der Tiefe, Reife und Dichte aus 2015. Auf keinen Fall so extrem fett und üppig wie 2019, sondern trotz hoher Reife und großer, seidiger Tanninmassen deutlich klassischer. Deshalb ist 2020 aus ihrer Sicht einer der ganz großen Jahrgänge überhaupt an der Nordrhône.
Im Norden gab es 2020 keinen richtigen Trockenstress für die Reben, weil es im August ein paar Regenfälle gab. Sie kamen genau zur richtigen Zeit. Die Lese startete recht früh, bei Tardieu am 10. September. Also deutlich früher als in anderen Jahren. Insgesamt ist es ein saftiges, reifes Jahr, ohne Überreife, ohne übermäßig Fett wie in 2019 und 2018. Große Frische, klassische Ausrichtung, langlebig und dicht.
An der Südrhône gab es deutlich mehr Trockenstress, weil hier im Sommer nur wenige Millimeter Regen fielen. Aber besonders die Reben auf Lehmböden und die alten, tiefwurzelnden Reben, konnten das Ganze gut wegstecken. Probleme gab es erst während der Lese, weil es um den 20. September relativ starke Rebenfälle zwischen 40 und 60 Millimetern pro Quadratmeter gab. So kann man durchaus unterscheiden zwischen Weinen, die vor dem Regen gelesen wurden und jenen, die erst danach den Weg in die Keller fanden.
Hier erinnert 2020 sehr an eine aromatischere, feinere und noch harmonischere Version des fruchtstarken, balancierten 2018. Wir haben auch 2020 eine sehr saftige und reiche Frucht, aber nicht dieses extrem Fette, ja fast überwältigend Dramatische aus 2019, was ja aber durchaus grandios war, nur so gar nicht typisch, mehr unikathaft. Im Süden ist 2020 – anders als an der Nordrhône – wieder kein richtig klassischer, sondern eher ein saftiger, fruchtstarker, feiner, sehr reifer und nochmal harmonischerer Jahrgang als 2018, der ja auch schon ziemlich perfekt gelungen war.

