Welch fabelhafter, vollkommen überraschender Genuss-Jahrgang! 2022 trotzt der extremen Sommerhitze mit einer grandiosen, unvorhersehbaren Eleganz. Die Weine vermählen die wollüstige Reife von 2019 mit der kristallinen Frische von 2021. Ein balanciertes, zutiefst harmonisches Terroir-Meisterwerk für meine persönliche Top-Five der Ewigkeit.

Verglichen mit dem weinbaulich herausfordernden Jahr 2021 war 2022 ein Spaziergang. Kein Frost und kaum Hagel im Frühjahr, eine nahezu perfekte Blüte, die bereits satten Ertrag versprach. Die heiß-trockene Witterung machte über den Sommer kaum Pflanzenschutz notwendig, ein sehr ökologisches Jahr. Insgesamt der heißeste und trockenste Sommer seit 1947, ziemlich in line mit 2003. Aber geschmacklich könnte 2022 nicht weiter davon entfernt sein. Brettharte Tannine wie 2005, fast mourvèdre-artige Strukturen und Grenache-Aromatik wie 2020? Weit gefehlt! Wer hätte auch erwarten können, dass aus diesem Jahr der Höllenhitze ein dermaßen harmonischer, eleganter und feingliedriger Jahrgang würde? Die Diskrepanz zwischen Witterung und Geschmacksprofil war nie größer. Ausdruck des Klimawandels?! Who knows. Wie werden Chardonnay und Pinot Noir aus dem Burgund in 20 oder 30 Jahren schmecken? Who knows. Was ich aber weiß, ist, dass ich die 2022er Weine aus unserem Programm nahezu lückenlos jedem Burgund-Liebhaber nur wärmstens ans Herz legen kann. Wo 2021 (Frische) oder 2018 (Power) noch gewissermaßen Freakstoff waren, der nur eine spezielle Klientel anspricht, ist 2022 an Balance und Klassik nur schwer zu übertreffen. Wären die burgundischen Winzer Meisterköche, sie hätten sich die 2022er Rezeptur kaum besser zusammenschreiben können als mit der wollüstigen Reife von 2019, der kristallinen-hellen Tönung des Vorjahres 2021 und der Zugänglichkeit und Balance von Jahren wie 2017 oder 2009. 2022 wird zusammen mit 1999, 2010, 2017 und 2019 in meine persönliche Top-Five der Jahre eingehen. Rien ne va plus. Das Wichtigste zum Schluss: die altehrwürdigen Keller sind wieder voll! Nie zuvor habe ich bei Faiveley zwei Ebenen Fässer aufeinander gestapelt gesehen. Hier gönnt man sich aufgrund der gigantomanischen Ausmaße des Kellers normalerweise den Luxus nicht zu stapeln. Die auf eine sehr gute 2022er Ernte folgende, riesige Ernte 2023 machts möglich. Hoffentlich führt das alles in den nächsten Jahren zu einer bitter nötigen Stabilisierung der Preisentwicklung auf einem vernünftigen Niveau.

Alle Weine des Jahrgangs 2022 aus dem Burgund

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