Lobenberg: Die Nase ist deutlich feiner, weniger drückend als die Nase des zuvor probierten Châteauneuf-du-Pape Blanc. Unglaublich verspielt. Clairette und Grenache sind die Dominanten in dieser Feinheit. Mehr fein als würzig. So spielerisch leicht, wenn man das bei einem Südrhône-Wein überhaupt sagen kann. Denn die darunter schlummernde Power ist ja nicht zu verstecken. Im Mund fast rotfruchtig. Aprikose, sehr viel Steinobst, rote Johannisbeere, ganz viel zerdrückte Pfirsich und Aprikosenkerne. Nussig, druckvoll. Der Wein ist nicht phenolisch und hat trotzdem Gerbstoffe, fast zum Kauen. Nicht fett, aber massiv in der Mitte. So viel Power zeigend, bei all der Feinheit. Viel weiße Blüten. Nach hintenraus lang, mit Steinobst, zermahlenen Steinen, Salz und Kreide. Schiebend, für Minuten stehenbleibend. So fein der Wein in der Nase anfängt, so druckvoll schiebt er hintenraus. Und man weiß jetzt schon: er braucht Zeit. Bitte dringend fünf, sechs, sieben Jahre weglegen. Aber der Wein kann reifen und wird sich verbessern, weil er feiner wird. Er braucht aber auch diese Zeit. Ein riesiges Powerteil und als kühlerer 2021 zugleich auch ein frisches Finesse-Wunder, besser denn je. 97-98/100 *** Alle Weißweine von Tardieu werden nach einer Ganztraubenpressung ohne Standzeit in die Vergärung genommen, um keine Säure zu verlieren. Es handelt sich um einen biologisch zertifizierten Vacqueyras Blanc aus Hochlagen-Terroirs. Die Reben stehen überwiegend auf Sand, aber auch auf Lehm und Kalk. Die Tardieus arbeiten hier mit drei kleinen Biowinzern zusammen. Insgesamt gibt es statt der nur 3.000 Flaschen in 2019 im Jahr 2021 sogar nur 1800 von diesem Wein. Er besteht aus 20 Prozent Grenache, 20 Prozent Roussanne, 20 Prozent Clairette, 15 Prozent Marsanne, 15 Prozent Viognier und 10 Prozent Bourboulenc. 2021 hat erfreulicherweise wie 2019 nur 13 Prozent Alkohol, also klar weniger als 2018. Und 2021 ist ein ungeheuer aufregendes Jahr an der Rhone, geniale Frische bei aromatischer Dicht und hoher Vibration. Das liegt auch daran, dass die Tardieus gemeinsam mit den Winzern die Selektion innerhalb der Rebsorten etwas ändern konnten und auch erstmalig Marsanne und ein bisschen Viognier in die Cuvée integriert haben. Der Wein wird nach der Pressung spontan vergoren und danach in ein- und zweijährigen Barriques ausgebaut. Das Holz stammt aus Allier und Tronçais. Das Rebalter liegt nie unter 30 Jahren, die Tardieus schwören auf alte Reben.