Ein winziger Teil des Weinbergs des Kiedricher Gräfenberg GGs, das in guten Jahren schon mal aus 40 Tausend Flaschen besteht, macht die nur 0,5 Hektar große Parzelle 'Lay', oder auch »Monte Vacano« aus. Emilie Weil, die Frau Robert Weils, setzte 1875 ihre komplette Mitgift aus der lombardischen Familie der Vacanos ein, um diese teuerste Parzelle einbringen zu können. Keine 2000 Flaschen aus niedrigstem Ertrag aus einem der kühlsten Filetstücke mit uralten Reben wurden immer schon separat gelesen und vinifiziert. Es ist der steilste Teil des Kiedricher Bergs im Übergang vom Gräfenberg zum Turmberg mit dem höchstem Phyllit-Schieferanteil. Abgefüllt bis 1921 zum ausschließlichen Verzehr im Kreise der Weils und Vacanos, dann endete die Tradition. Danach weiter separat vinifiziert aber bis 2017 Teil des GGs Gräfenberg. Der Monte Vacano wird in 1200 Liter Stückfässern aus Taunuseiche ausgebaut. Die Fässer sind 30 Jahre alt, aber sie wurden bevor der Monte Vacano hineingelegt wurde frisch abgehobelt und geben somit wieder einen gewissen Holztouch ab. Das ist bewusst so gewollt und wird jedes Jahr aufs Neue so gehalten. Entsprechend eine leichte Holzunterlegung in der Nase, die aber ganz fein in diesen engmaschigen, festen Kern des Weines verwoben ist. Toller Riesling-Duft, der fast einen kleinen Touch Chablis-, also Chardonnay-Assoziation gibt, mit diesem feinen Holzeinsatz. Nach dem heißen 2022 kommt mit dem 2023er eine Art Hybrid-Jahrgang, der weder extrem heiß noch kühl war. Es ist best of both worlds und sicher einer der größten Jahrgänge der letzten Jahrzehnte bei Weil. Der Monte Vacano vereint die Spannung des Turmbergs bzw. Monte Nostrums mit der Tiefe und Kraft des Gräfenbergs. Er hat eine unerschütterliche Ruhe und Abgeklärtheit. Der Duft ist kühl und höchstfein, er braucht keinerlei Lautstärke, um zu beweisen, wer der Boss im Weil’schen Sortiment ist. Der Nostrum ist straffer und vibrierender, aber an die Eleganz und unterschwellige Kraft des Vacano kann er nicht ran. Er ist »best of all worlds« – vereint alle Charakteristika des Kiedricher Bergs in sich und setzt immer noch einen drauf. Hochfeine Agrumenfrucht, Zesten, Austernschale, die Cremigkeit von weißem Pfirsich, zarte Ingwerschärfe und immer wieder blitzt Graphit auf. Kein Monte Vacano hatte bisher diese Selbstverständlichkeit in seiner Größe, felsenfest, ein unbeweglicher Riesling, der alle Sinne bewegt. Gehört sicher zu den größten Rieslingen, die im Rheingau geerntet wurden. Der Jahrgang 2023 ist für die gesamte Kollektion bei Weil, aber besonders für den Vacano einer der herausragendsten Jahrgänge der letzten Jahrzehnte und eine absolute Benchmark für das Weingut.