Philipp Kuhn zeigt mit seinem Cabernet Blanc Orange, was passiert, wenn konsequente Low-Intervention-Philosophie auf eine Rebsorte trifft, die vielen noch völlig unbekannt ist. 1991 gezüchtet aus Cabernet Sauvignon und Regent, seit 2010 bei Kuhn angebaut, ist eine sogenannte PIWI-Sorte mit enormer Widerstandskraft – ein Drittel weniger Pflanzenschutz notwendig als bei etablierten Sorten und damit absolut zukunftsfähig! Im Ausbau kompromisslos puristisch: Ein Teil des Mostes reift in Amphoren auf den Schalen, mit ganzen Beeren vergoren, der andere Teil in gebrauchten Holzfässern. Keine Kühlung, keine Zusätze, keine Filtration. Anderthalb Jahre auf der Vollhefe, minimal geschwefelt. Das Ergebnis ist ein naturtrüber, ungeglätteter Orange Wine von faszinierender Klarheit und Tiefe. Keine sperrigen Gerbstoffe, komplett sauber und aromatisch total fein. In der Nase zeigen sich Quitte, Grapefruit, reife Zitruszesten, dazu Anklänge von Maracuja und feine kräuterige Nuancen – ein Hauch Salbei, ein wenig getrocknete Blüten. Dazu kommen Bienenwachs, eine zarte Nussigkeit und sehr subtile Erdigkeit vom Ausbau. Am Gaumen packt er sofort zu: vibrierend frisch, aber überhaupt nicht aggressiv, getragen von einer feinen, griffigen Gerbstoffstruktur, die fast burgundisch daherkommt. Salzige Mineralität, feiner Grip, eine stille Kraft im Kern. Aromatisch bewegt er sich zwischen Sauvignon Blanc und Chardonnay, bringt aber eine ganz eigene, ungezähmte Dimension mit. Das ist kein glattpolierter Konsenswein, sondern ein ehrlicher Charakterkopf mit Ecken und Kanten, gleichzeitig unglaublich animierend. Der Trinkfluss ist beachtlich! Kompromisslos, spannungsgeladen und doch mit einer erstaunlichen Eleganz. Ein starkes Statement für die Zukunft der PIWI-Sorten.