Dieser Wein ist nichts anderes als der legendäre Lutzmannsburg Alte Reben aus dem Jahrgang 2023. Einer der größten Blaufränkisch-Weine Europas, aus uralten Reben von teilweise über 100 Jahren. Nur dass 2023 eben alles anders ist, denn genau das ist passiert: Der Wein fällt bei der amtlichen Verkostung mehrfach durch und erhält keine Prüfnummer. Angeblich fehlerhaft. Fehlerhaft? Bei einem Wein wie diesem kann man darüber nur den Kopf schütteln. Denn hier geht es nicht um technische Perfektion oder geschniegelt-polierte Mainstream-Stilistik. Roland Velich und sein Team arbeitetn kompromisslos. Ungeschönt, unfiltriert, vollkommen unverfälscht. Ein Wein, der Herkunft zeigen soll und eben nicht normierte Gefälligkeit. Dass ausgerechnet so ein Wein offiziell nicht als Herkunftswein erscheinen darf, während belanglose Industrieware problemlos durchgewunken wird, ist schon beinahe absurd. Deshalb steht hier weder Lutzmannsburg noch Burgenland auf dem Etikett. Nur noch: Alte Reben L. Ein Fantasiename für einen Wein, der wahrscheinlich als bester österreichischer Rotwein seiner Generation in Erinnerung bleiben wird. Und genau das bestätigt sich im Glas sofort. Schon die Nase ist völlig überwältigend. Tief, dunkel, kühl und gleichzeitig von einer unfassbaren Präzision geprägt. Erst Rauch, zerstoßener Stein und diese eisenartige Mineralität. Dann öffnet sich die Frucht immer weiter: Transparente, tiefrote Kirsche, wilde Brombeere, Heidelbeere, schwarze Kirsche, dazu Blutorange und ätherische Noten. Darüber schweben Veilchen und feine Kräuterwürze, dazu Wacholder, schwarzer Tee und ein Hauch dunkler Kakao. Alles wirkt hochkomplex, aber nie schwer oder marmeladig. Eher wie ein großer Grand Cru aus einer Parallelwelt. Am Gaumen dann die pure Sensation. Der Wein besitzt eine Konzentration, die fast surreal wirkt, bleibt dabei aber vollkommen schwerelos. Dicht und engmaschig, aber gleichzeitig vibrierend frisch und präzise. Wow! Die Tannine sind ultrafein, fast staubig-mineralisch, und ziehen sich wie Seide über die Zunge. Immer wieder kommen neue Facetten hoch: Sauerkirsche, Blutorange, dunkle Beeren, Graphit, Kräuter, salzige Gesteinsnoten. Diese unglaubliche mineralische Energie zieht sich durch den gesamten Wein. Trotz aller Intensität bleibt er vollkommen ruhig, fast aristokratisch. Kein Gramm Fett, keine Süße, keine Überreife. Nur Spannung, Tiefe und Präzision. Und dann dieser Nachhall. Minutenlang. Salz, Stein, florale Frische, dunkle Frucht und diese titanische mineralische Kraft. Dass so ein Wein offiziell als »fehlerhaft« abgestempelt wird, ist eigentlich ein kulturpolitischer Offenbarungseid. Denn genau solche Weine sind es, die zeigen, wie groß Blaufränkisch, ja wie groß Österreichischer Wein sein kann. Ein monumentaler Wein. Radikal, kompromisslos und sicher einer der größten Blaufränkisch, die jemals erzeugt wurden.