Markus Molitor: Riesling Haus Klosterberg Weiße Kapsel 2024

Markus Molitor: Riesling Haus Klosterberg Weiße Kapsel 2024

Riesling 100%
weiß, trocken
12,0% Vol.
Trinkreife: 2026–2034
fruchtbetont
frische Säure
leicht & frisch
Lobenberg: 91/100
Suckling: 90/100
Deutschland, Mosel Saar Ruwer
Allergene: Sulfite,
lobenberg

Heiner Lobenberg über:
Riesling Haus Klosterberg Weiße Kapsel 2024

91
/100

Das Jahr 2024 war ein sehr klassisches Jahr für Riesling, vergleichbar mit 2014 oder 2008 im Charakter, verspielt, kühl, sehr straight. Leider gab es an der Mosel doch deutliche Einbußen aufgrund des hohen Pilzdrucks, sodass die Mengen unterdurchschnittlich waren. Die kühlere und nasse Witterung hat eine sehr strenge Selektion der besten Trauben notwendig gemacht, das ging schon in der Basis los. Am Ende ist es bei Molitor ein Jahrgang für Rieslingfans der alten Schule, wunderbar ausgewogen, filigran, superfrisch und doch mit genug Power. Dazu kommt Molitors etwas burgundisch-cremiger Stil mit perfekt abgestimmtem Holzeinsatz als perfect-match. In der Nase eine schöne helle Frucht, kristallin schon im Gutswein-Bereich. Ein puristischer und zugleich typisch fruchtiger Moselduft nach Granny Smith, Aprikose und ganz deutlich frischer Weintraube. Toller Duft, Rieslingfrucht in ihrer klarsten Form. Auch reife Zitrusnoten, aber nichts sticht, nichts ist grün, alles wunderbar harmonisch, einladend und schick. Der Mund hat einen mineralisch-frischen Kick, kommt mit Quitte, Limettenzeste und weißem Pfirsich sehr expressiv und rassig auf die Zunge. So tänzelnd, verspielt, schieferig und mit einer Brillanz in der Frucht, die einfach genial ist. Vielleicht mein liebster Klosterberg seit 2019. Everybody´s Darling – aber mit dem gewissen Extra!

Jahrgangsbericht

»Here comes the rain again…« – das Weinjahr 2024 war rasant und aufwühlend. Eine deutlich kühlere Vegetationsperiode mit wechselnden Regen- und Trockenphasen forderte die Winzer heraus. Der frühe Austrieb im April wurde von heftigen Spätfrösten abgelöst, die Ahr, Nahe, Nordbaden, Saar und Ruwer besonders hart trafen und zu teils dramatischen Ernteausfällen führten. Viel Manpower, bedingungsloser Einsatz und sorgfältige Selektion waren entscheidend. Die besten 2024er Weine zeigen eine bemerkenswerte Finesse mit überraschend viel Stoffigkeit und schlanker Kraft. Der kühlere Ausdruck erinnert an die präzisen Klassiker 2016, 2008, 2004 und 2002. Sie sind extrem klar gezeichnet und definiert und besitzen häufig mindestens ein Volumenprozent weniger Alkohol als die Vorjahre. Umso überraschender ist die Substanz und innere Dichte, die durch ausgiebige Sommerniederschläge und eine langsame Reifung bis in die kühlen Nächte der späten Lese ermöglicht wurde. Die Trauben erreichten enorm hohe Extraktwerte, die mit 2023 konkurrieren. »Die schönsten Aromen gedeihen im Schatten.« wie Florian Lauer immer sagt. Die Säuren sind »nordisch-straff« und vibrierend, aber reifer und weniger einschneidend als im “krachenden” 2021. Die Weine bieten eine genussvolle Cremigkeit, ohne ihr elektrisierendes Rückgrat zu verlieren. Der 2024er ist ein harmonischerer und feinerer Jahrgang als ebenfalls kühlere 2021, zudem ist es aromatisch in einem klassischeren und schlankeren Profil angesiedelt als die »Vollgas-2023er«. Bei vielen Weinen wurde ein Level erreicht, das mit dem Benchmark-Jahrgang 2023 mithalten kann, auch wenn die Mengen besonders bei den Großen Gewächsen teils sehr gering sind. Es gibt so viele wunderschöne, filigrane, saftig-dichte und auch richtig lecker-delikate Weine in diesem Jahr. Und das kann in dieser Leichtigkeit und finessenreichen, athletischen Form heute eben fast nur noch in Deutschland so geerntet werden. Franken glänzt mit exzellenten Silvanern mit kühlem Saft und eleganter Stoffigkeit. An Mosel-Saar-Ruwer wurde im restsüßen Bereich von Kabinett bis Auslese absolute Weltklasse geerntet, trotz mancherorts verheerender Frostschäden. Die Nahe glänzt 2024 nicht nur mit Riesling in ultrafokussierter Manier, sondern auch mit Burgundern dieses Jahr – genau wie die Südpfalz! Der wärmeren Mittelhaardt steht ein kühleres Jahr immer mehr als gut. Von Christmann über Bürklin bis Winning ist das der Stoff aus dem Riesling-Träume sind. In Rheinhessen hat wohl der Rote Hang sein Jahr der Jahre, so viele Mega-GGs nach den schwierigen Trockenjahren dort ein Segen… wow!

90
/100

Suckling über: Riesling Haus Klosterberg Weiße Kapsel

The forthright yellow-apple fruit and crisp, lemony acidity on the barely medium-bodied palate make this an easy dry Mosel wine to enjoy. Good harmony in the zesty finish. Drink now. Screw cap.

Mein Winzer

Markus Molitor

Als der blutjunge Markus Molitor 1984 mit 20 Jahren das Weingut an der Mosel vom Vater übernahm, fing er praktisch bei Null an; ohne jede eigene Anbaufläche. Also harte Maloche auf gepachtetem Rebland.

Riesling Haus Klosterberg Weiße Kapsel 2024