Karsten Peter macht keinen Standard Pfälzer Riesling – und das merkt man schon bei seinem Gutswein sofort. Der Ancestral steht da wie ein gestraffter Maßanzug aus Kalk und Zitrus. Keine Make-up-Aromatik, kein Restzucker-Kosmetik. Das ist Purismus pur. Riesling ohne alles – außer Herkunft, Präzision und kristalline Energie. Die Trauben stammen überwiegend aus jungen Anlagen der Dürkheimer Spitzenlagen Spielberg, Fuchsmantel und Hochbenn. Das hier ist im Grunde Ortswein-Material, nur eben von jüngeren Stöcken, also mit etwas weniger Tiefe, aber umso mehr Frische und Spannung. 2024 war ohnehin ein kühler Jahrgang, und das schmeckt man vom ersten Schluck an. Vinifiziert wurde kompromisslos klar: Keine Maischestandzeit, keine Schönung, nur Ganztraubenpressung für maximale Geradlinigkeit. Spontanvergoren und ausgebaut im Stahl und im gebrauchten Holz, etwa 10 % Anteil. Das Holz merkt man kaum, gibt aber einen feinen Schmelz unter die knackige Textur. Der Most geht ungeklärt ins Fass, alles darf seinen natürlichen Lauf nehmen. In der Nase sofort kristallklar und messerscharf – das ist eher Nahe-Stilistik mitten in der Pfalz. Man merkt, dass Karsten Peter dort schon lange Spitzenweine macht. Feine, ziselierte Aromen von Limettenschale, Granny Smith, etwas weißem Pfirsich, dazu eine fast kühle Rauchigkeit, die an zerriebenen Kalk und zerstoßenen Stein erinnert. Am Gaumen dann ein blitzsauberer Spannungsbogen: feine grüne Noten, dazu reifer, aber schlanker Steinobst-Charakter, alles unterlegt von salziger Mineralität, die wie ein Laserstrahl über die Zunge zieht. Das ist so klar, so pur, so energetisch – man will direkt den nächsten Schluck. Und dann sicher auch noch einen. Man, ist das animierend! Die Pfalz kann saftig – und ja, das ist sie hier auch – aber Karsten Peter bringt eine klasse Linearität und mineralische Ader mit. Ein wunderbar straffer, schlanker, salziger Riesling mit grandiosem Trinkfluss und glockenklarer Frucht. Ein kleines Meisterstück in der Einstiegsklasse. Ein Ancestral mit Aha-Effekt.