Lobenberg: Das Graacher Himmelreich ergibt in den meisten Jahren das aufregendere, vibrierendere Kabinett, während die Wehlener Sonnenuhr einen Hauch mehr Reife und Erhabenheit ausstrahlt. In 2022 ist er steinig und kühl wie immer, aber sehr expressiv, die Frucht ist kraftvoll und tief. Unerklärlich kühl und minzig aus diesem heißen Jahrgang, weißer Pfirsich, Limettensaft, viel Bitterlemon, kandierte Ingwerschärfe. Kristallin und wunderbar verspielt, so fein und zart, aber sehr intensiv in diesem Jahr. Keineswegs süß in seiner Intensität, aber gewaltig druckvoll aus dem Stein, aus der Kühle. Das Himmelreich kommt mit hoher mineralischer Strahl- und Spannkraft, Minze, weiße Johannisbeere, die Frucht schält sich erst langsam unter der feinen, schwebenden Mineralität heraus. Er ist fast wild in seiner dramatischen Mineralität, sehr straight wie immer, aber mit einer dichten, satten Textur in der Mitte. Weniger schwebend als 2021, druckvoller in seinem Antritt und doch so fein und wahnsinnig trocken schmeckend, obwohl der Restzucker wie üblich zwischen 30 und 40 Gramm liegt. Kabinett geht kaum besser als das was Prüm in den letzten Jahrgängen abgeliefert hat. 95+/100