Hermitage Blanc 2021

Michel Tardieu - Nordrhone

Hermitage Blanc 2021

voll & rund
niedrige Säure
mineralisch
100
100
2
Marsanne 80%, Roussanne 20%
5
weiß
13,5% Vol.
Trinkreife: 2027–2057
Verpackt in: 12er
3
Lobenberg: 100/100
6
Frankreich, Rhone, Nordrhone
7
Allergene: Sulfite, Abfüllerinformation
lobenberg

Heiner Lobenberg über:
Hermitage Blanc 2021

100
/100

Lobenberg: Erstaunlicherweise zeigt der Wein trotz der recht langen Zeit im Barrique und Doppelstückfass so gut wie kein Holz. Nur eine ganz leichte Duftnote unter der weißen Blumigkeit. Auch hier wie der Crozes-Hermitage in Richtung eines großen Weißburgunders laufend. Hochintensiv. Weißer Weinbergspfirsich, druckvolle weiße Melone dahinter und weiße Birnen. Alles in weißer Frucht laufend und mit weißer Blumigkeit unterlegt, dazu helles Gestein. Man meint Granit zu riechen, Staub auf heißem Granit. Die Nase ist faszinierend! Im Mund die reine Granit-Power. So viel steiniger Schub und trotzdem bleibt alles auf weißer Frucht. Weiße Grapefruit – wenn es sowas gibt, weiße Johannisbeere, dazu Zitronengras und Limette. Immer wieder dieser Gesteinsstaub, dieser Schub von unten, diese hohe Intensität. Und das Ganze völlig ohne Fett, denn mit diesem niedrigen Alkoholgehalt bleibt das eine spielerische Tänzerin, eine Primaballerina. Alles dreht sich im Kreis, der Wein erregt Schwindel in seiner sensationellen Aromatik und seiner spielerischen Leichtigkeit und Eleganz. Kann so ein Wunderwerk ein Hermitage sein? Der Wein steht zwei oder drei Minuten im Mund. Im Grunde ist Hermitage in dieser Art etwas ziemlich Ideales, etwas, das man selten trifft. Diese Kombination aus Power, Schub, Weißburgunder-Allüren und dem niedrigen Alkohol bei gleichzeitig reicher Intensität. Ich bin sicher, dass man diesen Wein nach 20 Jahren zu den großen Weißweinen dieser Welt zählen kann und freue mich jetzt schon auf die weißen Hermitage von Ferraton und Chapoutier, die ich in den nächsten Tagen probieren werde. Ein grandioses Weißweinjahr im Süden, aber noch mehr im Norden. Das kann mit den ganz, ganz großen Chenin Blancs der Loire oder mit den Trebbianos aus den Abruzzen mithalten in seiner unglaublichen Eleganz. In einer Liga mit den größten Weißweinen der Welt. 100/100 *** Der weiße Hermitage von Tardieu besteht 2021 aus 80 Prozent Marsanne und 20 Prozent Roussanne. Er stammt aus vier verschiedenen Lagen im Hermitage. Die Marsanne-Reben sind über 50 Jahre alt, die Roussanne-Reben über 40 Jahre. Der Wein hat 2021 nur 13,5 Volumenprozent Alkohol. Seit Beginn der Arbeit von Tardieu gab es noch nie einen Jahrgang mit so geringen Alkoholgraden wie 2021. Es wurde natürlich nie chaptalisiert, sondern die extreme Eleganz und Feinheit gerne mitgenommen. Nach der langsamen Ganztraubenpressung wird der Most spontan im Barrique vergoren. Malo und zwölfmonatiger Ausbau geschehen in Barriques, teils neues Holz, teils Zweitbelegungen. Danach wird der Wein weitere 12 Monate in große Doppelstückfässer von Stockinger gelegt. Keine Schönung und Filtration vor der Füllung in die Burgunderflaschen. Ab dem Jahrgang 2020 mit der teuersten Korkvariante von DIAM ausgestattet, die neben Naturkork 100 Prozent natürliche Materialien wie Rizinusöl und Bienenwachs enthält.

Jahrgangsbericht

Der Jahrgang 2021 stellt an der Rhône zweifellos einen Einschnitt in der Reihe der heißen, trockenen, mediterranen Jahrgänge dar, wie wir sie spätestens seit 2015 durchweg erlebt haben. 2021 erinnert viele Winzer im Rhônetal gar an die »guten alten Zeiten« vor 20, 30 Jahren – späte Lese, hohe Säurewerte und eine Phenolik wie es sie zuletzt in den 90ern gab. Ein Jahrgang der großen Emotionen, ein ständiges auf und ab der Gefühle: Die extreme Frostepisode vom 7. bis 9. April mit Temperaturen von teilweise fast -10°C betraf fast alle französischen Weinbaugebiete. Teilweise sorgte der Frost für einen kompletten Ernteausfall. Drei Wochen lang regte sich gar nichts in den Weinbergen des Rhônetals. Wie durch ein Wunder trieben viele Reben doch noch aus, aber nicht ohne Folgen: Die eiskalten Nächte brachten die Natur aus dem Gleichgewicht, der Wiederaustrieb verlief geradezu anarchisch, die Arbeit im Weinberg war extrem anspruchsvoll und verlangte den Winzerinnen und Winzern alles ab. Die wohltuenden Regenfälle während des gesamten Vegetationszyklus, die gemäßigten Temperaturen im Sommer und der goldene Herbst sorgten für ein großes Durchatmen. Am Ende wird 2021 nicht nur als Jahrgang der plötzlichen Wiedergeburt der Klassik, der Feinheit und Eleganz in Erinnerung bleiben, sondern auch wegen des immensen Aufwands – nur, wer 2021 alles gegeben hat, wurde am Ende mit ultrafeinen Weinen belohnt, wie wir sie seit Jahren nicht mehr im Glas hatten. An der südlichen Rhône ist 2021 ein Jahr der puren Trinkfreude. Alles ist sofort da, offen und so unglaublich fein. Die Alkoholgrade liegen rund 1,5 Prozent unter denen der vergangenen Jahrgänge. Sowohl die Weißen als auch die Roten sind hervorragend balanciert und bestechen mit guten Säurewerten und hoher Frische. Die Weine sind hocharomatisch, die Frucht ist schmeichelhaft und fast schon spielerisch-abgehoben. Eine Grenache voll auf der Pinot-Spur – wann gab es das zuletzt?! Die nördliche Rhône bringt 2021 einen Stil, den dort viele für nicht mehr möglich hielten: Extrem fein und verspielt, fast schon schwebend und mit einer genialen Frische ausgestattet. Ein Jahr für große Weißweine mit strahlender Aromatik und hervorragender Lagerfähigkeit, ein Jahr für herrlich klassische, stilvolle, delikate Rotweine mit betörend ätherischen Noten von Pfeffer und Veilchen und ultrafeiner, aber aufregender Tanninstruktur. All in all ist 2021 an der Rhône ein Jahr für Finessetrinker, für Liebhaber der Feinheit, der Frische und der Eleganz. Lange hat man sich nach solchen klassischen Jahren gesehnt. Aber klassisch mit einem genialen Twist, denn am Ende vereint 2021 mit seiner schlanken, hochfeinen Art und der genialen Duftigkeit und Aromatik das Beste von damals und heute. »Zurück in die Zukunft!« – das beschreibt diesen aufregenden Rhône-Jahrgang wohl letztlich am besten.

Mein Winzer

Michel Tardieu – Nordrhone

Michel Tardieu ist inzwischen legendär und einer der besten Weinmacher Frankreichs. Robert Parker u. v. a. überhäuften ihn zu Recht mit Superlativen. Sehr oft arbeitet er an der Rhone und in anderen Regionen mit seinem Freund Philippe Cambie zusammen.