Lobenberg: Alle Weine bekommen eine gewisse Maischestandzeit von ein paar Tagen, je nach Jahrgang. Dann wird nach sensorischer Probe, sobald die Phenolik anfängt die Aromatik zu verändern, schnell abgepresst und ohne Vorklärung in die Stückfässer gegeben und spontan vergoren. Komplett durchgegoren, knochentrocken. Die Nase ist hochverdichtet und sehr engmaschig verwoben. Der Kokosnussduft aus dem letzten Jahr ist nicht mehr so ausgeprägt, aber die typisch würzig-warme Frucht und die Steinigkeit ist natürlich immer da. Rosmarinzweig und schwarze Olive, Gesteinstaub, grüne Quitte, Menthol. Zeigt wie meist eher weniger Frucht, wirkt sehr seriös und ruhig. Diese Ruhe der Nase lässt ihn stets etwas frankophil wirken. Man würde nicht wirklich an ein heißes Jahr denken, denn er hat etwas dunkles, ja kühles an sich. Schwarzes Gestein, Cassis, Holunderbeere. Der Wein hat eine ungeheure Tiefe, diese gewaltige cremige Struktur, die sich nach hintenraus zieht, die auf der Zunge haftet wie blankes Gestein. Würzig und warm im Mund, reich und einnehmend, aber durch diese minzig-mentholige Kühle mit Grapefruitschale und Bitterorange bleibt er vital und sehr energiegeladen auf der Zunge. Große Länge, wirklich irre intensiv, schiebend und dramatisch in seinem Auftritt. Großer Stoff, für mich eigentlich auf Augenhöhe mit dem noch steinigeren Rothenberg dieses Jahr. 97-98+/100