Lobenberg: Ein Blend aus Müller-Thurgau vom Schiefer und Weißburgunder vom sandigen Moselschwemmland hinter dem Gutshaus von FIO. Philipp Kettern strahlt über seine Müller-Thurgau 2022, scherzend stellte er fest, dass die Trauben so perfekt waren, dass er am liebsten nur Müller gehabt hätte in dem Jahrgang. Etwa drei Wochen auf den Schalen spontan vergoren, überwiegend entrappt. Ausgebaut im klassischen Moselfuder. Sehr feine Nase, Litschi, ein kleiner Hauch Stachelbeere, Mandarine mit feiner grünlicher Frische, verspielt und saftig im Duft. Die Nase ist nicht nur von der Schale dominiert, sondern hat auch eine grandiose Frische. Die Verblüffung kommt dann am Gaumen, denn dieser Orange Wine ist gar nicht so breitschultrig oder anstrengend. Im Gegenteil, sogar sehr saftig und fein kommt er daher, wunderbar erfrischend. Er hat durchaus eine herbe Art durch die Phenolik, das gibt ihm schon einen gewissen Kick und Anspruch in seiner leichten herbwürzigen Schiefer-Art, aber gleichzeitig total verspielt, feinfruchtig und animierend. Enormer Trinkfluss für einen Orangewein, weil die Schale nicht über die Frucht herrscht, sondern nur im Finale einen feinen Grip dazu gibt. Ich bin wirklich nicht der größte Fan von maischevergorenen Weinen. Aber das ist wirklich ein superbes Beispiel, wie man es machen muss, um die Trinkbarkeit, die Saftigkeit und die Freude zu bewahren. Das ist großartig, was FIO hier in die Flasche bringt. Klar, ein bisschen schräg ist das schon, aber mit dieser saftigen Orangen-Grapefruit-Pfirsich-Eistee-Kombination und dem Spiel aus Salz, Gerbstoff und Säure ist das ein hochindividueller, genialer Moselwein mit viel Charakter. Sicher einer der besten Orange Wines Deutschlands! 95+/100