Die Nase zeigt gelbe Frucht und erinnert darunter ein bisschen an Syrah von der Nordrhône. Eine sehr lustige Kombination. Orangenzesten, aber auch süße Feige und die obligatorische Lakritze. Dazu viel Minze und etwas Eukalyptus. Reich und dicht, aber nicht so üppig, nicht so fett, wie die Selección Privada. Sehr fein bleibend. Auch der Mund ist ultrafein und sehr schick. Tolle Frische – die Augen ziehen sich zusammen! Säure und Salz laufen über die Zunge, aber trotzdem ist es kein Extremist. Die Komposition im Mund besteht aus schwärzlichen Sauerkirschen, süßer Lakritze, ein bisschen Maulbeere, dunkler Schokolade, viel Schlehe und ein bisschen Sanddorn. Ein sehr vielschichtiger Mund. Der Nachhall ist sehr intensiv und reich. Da muss man total überwältigt einige Minuten innehalten nach dem letzten Schluck. Sehr aufregend durch den hohen Oszillographen aus Säure und reichhaltigem, sattem, seidigem Tannin. Ein eigenständiger, schicker Stoff aus der sicherlich modernsten Factory für Rioja-Weine. Wahrscheinlich dürfte man auch glatt 100 punkten. 98-99+/100 *** El Bosque ist der Name eines Single Vineyards mit 1,5 Hektar Reben auf 500 Metern Höhe. Biodynamische Bewirtschaftung, aber ohne Zertifizierung. Es werden nur 4.000 Flaschen aus diesem Weinberg geholt. 100 Prozent Tempranillo, gepflanzt 1973. Der Weinberg liegt in Flussnähe, deshalb haben wir fast ausschließlich Kies im Untergrund, dazu kommen aktiver Lehm und Sand. Im Weingut werden die Trauben entrappt und anschließend spontan im Stahltank vergoren. Die Pigeage wird mit den Füßen durchgeführt, wir haben also eine extrem sanfte Extraktion. Der Ausbau geschieht für 18 Monate in komplett neuen Barriques aus Frankreich und Osteuropa.