Crozes Hermitage Vieilles Vignes 2021

Michel Tardieu - Nordrhone

Crozes Hermitage Vieilles Vignes 2021

frische Säure
pikant & würzig
voluminös & kräftig
97–99
100
2
Serine
5
rot
13,0% Vol.
Trinkreife: 2028–2054
Verpackt in: 12er
3
Lobenberg: 97–99/100
6
Frankreich, Rhone, Nordrhone
7
Allergene: Sulfite, Abfüllerinformation
lobenberg

Heiner Lobenberg über:
Crozes Hermitage Vieilles Vignes 2021

97–99
/100

Lobenberg: Dies ist nun mein erster reinsortiger Syrah aus 2021 von der Nordrhône. Ich war sehr gespannt, weil ich so viele Vorschusslorbeeren gehört habe, und die Weißweine haben es bestätigt. Die Rotweine des Südens waren traumhaft – wie fällt der Norden aus? Die Nase dieses Crozes-Hermitage hat natürlich die klassische Syrah-hafte schwarze Frucht und das leicht Verbrannte aus verbranntem Gummi und Holzkohle. Aber alle ist viel feiner. Viel schwarze Kirsche, etwas Cassis, hochintensive Veilchen und Schwarzkirsche, dazu dunkle Lakritze. Im Mund verbranntes Fleisch, rohes Fleisch dazu, aber fein. Die Tannine sind ungewöhnlich poliert, das hätte ich so nicht erwartet. Das ist eine Feinheit im Tannin, wie ich sie hier fast noch nie erlebt habe. Unendlich poliertes Tannin, fast nicht spürbar. Das Ganze läuft auf diesem Teppich aus Holzkohle und Schwarzkirsche. Für eine Minute in großer Feinheit schwebend. Spielerisch, unglaublich geschmackvoll und sehr blumig, dass man fast schon denkt, auf Veilchenblättern zu kauen. Das ist schon eine sehr, sehr schicke Form von Syrah, wie man sie eigentlich sehr selten erlebt. Der Wein ist reich, intensiv und druckvoll, aber dabei so schick, verspielt und wenig anstrengend. Einfach eine Freude! 97-99/100 *** Der Crozes-Hermitage Vieilles Vignes besteht natürlich aus 100 Prozent Petite Syrah. Oder Serine, wie die uralte, kleinbeerige Form der Syrah hier genannt wird. Der Vieilles Vignes stammt aus zwei verschiedenen Weinlagen. Sie liegen auf der Rückseite des Hermitage-Bergs komplett auf Granitböden, direkt um den Ort Crozes-Hermitage. Zusammen mit der Nordexposition sorgt das für viel Feinheit und Eleganz. Die Reben sind rund 60 Jahre alt. Der Alkoholgehalt liegt 2021 bei nur 13 Volumenprozent. Die Trauben werden vor der spontanen Fermentation im Betontank zu einem Drittel nicht entrappt. Anschließend erfolgt der Ausbau für 12 Monate in Barriques, zum Teil einjährig, zum Teil zweijährig. Danach für weitere sechs Monate in großen Doppelstückfässern von Stockinger. Die Weine werden nicht geschönt und nicht filtriert, bevor sie in die Burgunderflaschen mit Naturkork gefüllt werden.

Jahrgangsbericht

Der Jahrgang 2021 stellt an der Rhône zweifellos einen Einschnitt in der Reihe der heißen, trockenen, mediterranen Jahrgänge dar, wie wir sie spätestens seit 2015 durchweg erlebt haben. 2021 erinnert viele Winzer im Rhônetal gar an die »guten alten Zeiten« vor 20, 30 Jahren – späte Lese, hohe Säurewerte und eine Phenolik wie es sie zuletzt in den 90ern gab. Ein Jahrgang der großen Emotionen, ein ständiges auf und ab der Gefühle: Die extreme Frostepisode vom 7. bis 9. April mit Temperaturen von teilweise fast -10°C betraf fast alle französischen Weinbaugebiete. Teilweise sorgte der Frost für einen kompletten Ernteausfall. Drei Wochen lang regte sich gar nichts in den Weinbergen des Rhônetals. Wie durch ein Wunder trieben viele Reben doch noch aus, aber nicht ohne Folgen: Die eiskalten Nächte brachten die Natur aus dem Gleichgewicht, der Wiederaustrieb verlief geradezu anarchisch, die Arbeit im Weinberg war extrem anspruchsvoll und verlangte den Winzerinnen und Winzern alles ab. Die wohltuenden Regenfälle während des gesamten Vegetationszyklus, die gemäßigten Temperaturen im Sommer und der goldene Herbst sorgten für ein großes Durchatmen. Am Ende wird 2021 nicht nur als Jahrgang der plötzlichen Wiedergeburt der Klassik, der Feinheit und Eleganz in Erinnerung bleiben, sondern auch wegen des immensen Aufwands – nur, wer 2021 alles gegeben hat, wurde am Ende mit ultrafeinen Weinen belohnt, wie wir sie seit Jahren nicht mehr im Glas hatten. An der südlichen Rhône ist 2021 ein Jahr der puren Trinkfreude. Alles ist sofort da, offen und so unglaublich fein. Die Alkoholgrade liegen rund 1,5 Prozent unter denen der vergangenen Jahrgänge. Sowohl die Weißen als auch die Roten sind hervorragend balanciert und bestechen mit guten Säurewerten und hoher Frische. Die Weine sind hocharomatisch, die Frucht ist schmeichelhaft und fast schon spielerisch-abgehoben. Eine Grenache voll auf der Pinot-Spur – wann gab es das zuletzt?! Die nördliche Rhône bringt 2021 einen Stil, den dort viele für nicht mehr möglich hielten: Extrem fein und verspielt, fast schon schwebend und mit einer genialen Frische ausgestattet. Ein Jahr für große Weißweine mit strahlender Aromatik und hervorragender Lagerfähigkeit, ein Jahr für herrlich klassische, stilvolle, delikate Rotweine mit betörend ätherischen Noten von Pfeffer und Veilchen und ultrafeiner, aber aufregender Tanninstruktur. All in all ist 2021 an der Rhône ein Jahr für Finessetrinker, für Liebhaber der Feinheit, der Frische und der Eleganz. Lange hat man sich nach solchen klassischen Jahren gesehnt. Aber klassisch mit einem genialen Twist, denn am Ende vereint 2021 mit seiner schlanken, hochfeinen Art und der genialen Duftigkeit und Aromatik das Beste von damals und heute. »Zurück in die Zukunft!« – das beschreibt diesen aufregenden Rhône-Jahrgang wohl letztlich am besten.

Mein Winzer

Michel Tardieu – Nordrhone

Michel Tardieu ist inzwischen legendär und einer der besten Weinmacher Frankreichs. Robert Parker u. v. a. überhäuften ihn zu Recht mit Superlativen. Sehr oft arbeitet er an der Rhone und in anderen Regionen mit seinem Freund Philippe Cambie zusammen.