Crozes Hermitage Blanc Vieilles Vignes 2021

Michel Tardieu - Nordrhone

Crozes Hermitage Blanc Vieilles Vignes 2021

exotisch & aromatisch
mineralisch
unkonventionell
97–98+
100
2
Marsanne 80%, Roussanne 20%
5
weiß
13,0% Vol.
Trinkreife: 2026–2046
Verpackt in: 12er
3
Lobenberg: 97–98+/100
6
Frankreich, Rhone, Nordrhone
7
Allergene: Sulfite, Abfüllerinformation
lobenberg

Heiner Lobenberg über:
Crozes Hermitage Blanc Vieilles Vignes 2021

97–98+
/100

Lobenberg: Dieser Crozes-Hermitage wird nur von zwei verschiedenen Winzern für Tardieu bereitet – Tardieu liefert ihnen die Barriques, im neuen Jahr und nach der Malo werden die Fässer für den Ausbau in die Keller von Tardieu gebracht. Der Wechsel vom Süden, von Châteauneuf-du-Pape Blanc, zu Crozes-Hermitage, ist der große Wechsel von weißer Grenache zu einer Dominanz von Marsanne. Eine Rebsorte, die immer sehr weißblütig und cremig in der Nase rüberkommt. Ein bisschen an deutschen Weißburgunder erinnernd. So präsentiert sich dieser Crozes Blanc tatsächlich ein wenig wie ein Weißburgunder GG aus der Pfalz. Eine so intensive Blütenduftigkeit, mit Jasmin und hellem weißem Flieder. So spielerisch und doch druckvoll! Untendrunter Kalksteinschub, viel hochreife Birne und weiße Melone, auch etwas Salbei. Enorm schick! Der Mund zeigt deutlich mehr Grip. Kraft ohne Fett, ohne Alkohol, trotzdem mit einer hohen Intensität. Leichter Bitterstoff, intensive aromatische Kumquat, etwas Mandarine, Orangenzesten und Sanddorn. Viel Schub, aber das Ganze in einer unglaublichen Eleganz und Feinheit. Kraft ohne Schwere, Athletik ohne fette Muskeln, und doch steht das Ganze für Minuten. Saftig und hedonistisch. Eine große Freude, schwer ausspuckbar! Eine andere Stilistik, aber im Grunde für mich das Gegenstück zum Vacqueyras Blanc von der Südrhône. Zwei unglaublich grandiose Weine aus nicht so gehypten Weißwein-Appellationen. Beide Weine sind ein Muss für den Keller, weil sie so saftig und trinkfreudig sind, voller Kraft und trotzdem voller Eleganz. 97-98+/100 *** Der Crozes-Hermitage Blanc Vieilles Vignes besteht aus 80 Prozent Marsanne und 20 Prozent Roussanne. Über 50 Jahre alte Reben auf drei verschieden Terroir mit überwiegend Granitböden. Der 2021er hat nur 13 Volumenprozent Alkohol. Seit Beginn der Arbeit von Tardieu gab es noch nie einen Jahrgang mit so geringen Alkoholgraden wie 2021. Es wurde natürlich nie chaptalisiert, sondern die extreme Eleganz und Feinheit gerne mitgenommen. Nach der langsamen Ganztraubenpressung wird der Most spontan im Barrique vergoren. Malo und achtmonatiger Ausbau geschehen in Barriques, teils neues Holz, teils Zweitbelegungen. Keine Schönung und Filtration vor der Füllung in die Burgunderflaschen. Seit dem Jahrgang 2020 mit der teuersten Korkvariante von DIAM ausgestattet, die neben Naturkork 100 Prozent natürliche Materialien wie Rizinusöl und Bienenwachs enthält.

Jahrgangsbericht

Der Jahrgang 2021 stellt an der Rhône zweifellos einen Einschnitt in der Reihe der heißen, trockenen, mediterranen Jahrgänge dar, wie wir sie spätestens seit 2015 durchweg erlebt haben. 2021 erinnert viele Winzer im Rhônetal gar an die »guten alten Zeiten« vor 20, 30 Jahren – späte Lese, hohe Säurewerte und eine Phenolik wie es sie zuletzt in den 90ern gab. Ein Jahrgang der großen Emotionen, ein ständiges auf und ab der Gefühle: Die extreme Frostepisode vom 7. bis 9. April mit Temperaturen von teilweise fast -10°C betraf fast alle französischen Weinbaugebiete. Teilweise sorgte der Frost für einen kompletten Ernteausfall. Drei Wochen lang regte sich gar nichts in den Weinbergen des Rhônetals. Wie durch ein Wunder trieben viele Reben doch noch aus, aber nicht ohne Folgen: Die eiskalten Nächte brachten die Natur aus dem Gleichgewicht, der Wiederaustrieb verlief geradezu anarchisch, die Arbeit im Weinberg war extrem anspruchsvoll und verlangte den Winzerinnen und Winzern alles ab. Die wohltuenden Regenfälle während des gesamten Vegetationszyklus, die gemäßigten Temperaturen im Sommer und der goldene Herbst sorgten für ein großes Durchatmen. Am Ende wird 2021 nicht nur als Jahrgang der plötzlichen Wiedergeburt der Klassik, der Feinheit und Eleganz in Erinnerung bleiben, sondern auch wegen des immensen Aufwands – nur, wer 2021 alles gegeben hat, wurde am Ende mit ultrafeinen Weinen belohnt, wie wir sie seit Jahren nicht mehr im Glas hatten. An der südlichen Rhône ist 2021 ein Jahr der puren Trinkfreude. Alles ist sofort da, offen und so unglaublich fein. Die Alkoholgrade liegen rund 1,5 Prozent unter denen der vergangenen Jahrgänge. Sowohl die Weißen als auch die Roten sind hervorragend balanciert und bestechen mit guten Säurewerten und hoher Frische. Die Weine sind hocharomatisch, die Frucht ist schmeichelhaft und fast schon spielerisch-abgehoben. Eine Grenache voll auf der Pinot-Spur – wann gab es das zuletzt?! Die nördliche Rhône bringt 2021 einen Stil, den dort viele für nicht mehr möglich hielten: Extrem fein und verspielt, fast schon schwebend und mit einer genialen Frische ausgestattet. Ein Jahr für große Weißweine mit strahlender Aromatik und hervorragender Lagerfähigkeit, ein Jahr für herrlich klassische, stilvolle, delikate Rotweine mit betörend ätherischen Noten von Pfeffer und Veilchen und ultrafeiner, aber aufregender Tanninstruktur. All in all ist 2021 an der Rhône ein Jahr für Finessetrinker, für Liebhaber der Feinheit, der Frische und der Eleganz. Lange hat man sich nach solchen klassischen Jahren gesehnt. Aber klassisch mit einem genialen Twist, denn am Ende vereint 2021 mit seiner schlanken, hochfeinen Art und der genialen Duftigkeit und Aromatik das Beste von damals und heute. »Zurück in die Zukunft!« – das beschreibt diesen aufregenden Rhône-Jahrgang wohl letztlich am besten.

Mein Winzer

Michel Tardieu – Nordrhone

Michel Tardieu ist inzwischen legendär und einer der besten Weinmacher Frankreichs. Robert Parker u. v. a. überhäuften ihn zu Recht mit Superlativen. Sehr oft arbeitet er an der Rhone und in anderen Regionen mit seinem Freund Philippe Cambie zusammen.